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Kirche in WDR 5 | 19.10.2021 | 06:55 Uhr

Ein Besuch mit Folgen

Guten Morgen!

76 Jahre ist es her: Noch kein halbes Jahr ist vergangen, dass der Zweite Weltkrieg vorüber ist. Der Rat der gerade erst neu gegründeten Evangelischen Kirche in Deutschland kommt in Stuttgart zusammen. Mit dabei ist auch der spätere Bundespräsident Gustav Heinemann. Gäste haben sich angesagt: Vertreter ausländischer Kirchen. Sie kommen zum Teil aus Ländern, über die der Krieg furchtbares Elend gebracht hat. Die Spannung, die in der Luft liegt, ist zum Greifen. Es ist deutlich: Die Gäste erwarten, dass etwas gesagt wird zu dem, was geschehen ist. So kommt es, dass heute vor 76 Jahren ein Bekenntnis verlesen wird. Später heißt es „Stuttgarter Schuldbekenntnis“. Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland bekennt sich damit zur Schuld des deutschen Volkes und zur Mitverantwortung auch der Kirche für die Verbrechen des Nationalsozialismus. Unter anderem formulierten die Mitglieder des Rates:


Sprecherin: „Durch uns ist unendliches Leid über viele Völker und Länder gebracht worden. …wir klagen uns an, dass wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben.“ (1)


Die Gäste nehmen die Worte des Schuldbekenntnisses positiv auf. Sie sind bereit, deutsche Protestanten wieder in ihren Kreis aufzunehmen. Die Worte ebnen schon wenige Monate nach Kriegsende die Rückkehr der deutschen evangelischen Kirche in die weltweite Gemeinschaft der Christinnen und Christen. Sie eröffnen den Weg zur Versöhnung, damit aus Feinden wieder Glaubensgeschwister werden.

Zu Hause in Deutschland dagegen ist das Echo auf das Schuldbekenntnis weitgehend verheerend. Auch in der evangelischen Kirche selbst stößt es auf große Ablehnung. Die wenigsten wollen etwas von eigener Schuld oder Kriegsschuld hören. Die Mitglieder des Rates der Evangelischen Kirche werden als Vaterlandsverräter beschimpft. Den meisten gehen die Worte des Bekenntnisses damals viel zu weit.

Aus dem heutigen Blickwinkel müssen wir sagen: Diese Worte gingen nicht weit genug. Am schwersten wiegt: Mit keinem Wort wird der millionenfache Mord an den Jüdinnen und Juden in ganz Europa erwähnt. Gerade von einer christlichen Kirche, die im jüdischen Glauben ihre Wurzeln hat, hätte man aus heutiger Sicht ein Wort dazu erwartet.

Trotzdem wurde das Schuldbekenntnis zu einem der wichtigsten Dokumente der evangelischen Kirche. Es hat Türen geöffnet und einen neuen Anfang ermöglicht.

Und diese Worte fordern uns immer noch heraus: „Wir klagen uns an, dass wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben.“ Wo geschieht das heute? Wenn ich diese Worte höre, muss ich daran denken, wie sehr der Antisemitismus in unserer Gesellschaft wieder mehr und mehr um sich greift.

Ein jüdischer Bekannter hat mir von den Hassmails erzählt, die er fast täglich bekommt. Es hat mich schockiert. Viele Juden in Deutschland trauen sich nicht mehr zu zeigen, dass sie Juden sind. Erst Ende August ist ein 18-Jähriger in Köln seiner Kippa beraubt und brutal geschlagen worden. (2) Es ist unfassbar, dass dies in Deutschland wieder geschieht. Dazu dürfen wir nicht schweigen, es nicht hinnehmen. Wir dürfen nicht so tun, als ginge uns das nichts an oder als wäre es schon nicht so schlimm. Das Stuttgarter Schuldbekenntnis mahnt uns auch heute, wachsam zu sein und dem mutig entgegenzutreten. Es fordert uns auf, uns einzusetzen für Zusammenhalt und Frieden, für Menschenfreundlichkeit und Versöhnung. Lassen Sie uns aufmerksam sein, wann es an uns ist, mutiger zu bekennen und brennender zu lieben.



Es grüßt Sie Ihr Dietmar Arends, Landessuperintendent aus Detmold.



Quellen:

(1) Stuttgarter Schuldbekenntnis vom 18./19. Oktober 1945, Absatz 2.

(2) https://www.welt.de/politik/deutschland/article233304175/Koeln-Angriff-auf-Kippa-Traeger-Ermittler-suchen-nach-Mittaetern.html (letzter Abruf 24.08.2021)


Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze




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