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Kirche in WDR 5 | 20.10.2021 | 06:55 Uhr

Mitgeschöpfe

Guten Morgen!

„Tiere haben doch eine Seele!“ sagt die Frau, die mir gegenübersitzt. Wir sind im Gespräch über das Engagement der Kirche für die Schöpfung und insbesondere für die Tierwelt. Einen Moment stutze ich über die Selbstverständlichkeit, mit der sie das sagt. Und ich frage mich, warum eigentlich so viele Menschen davon ausgehen, dass Tiere keine Seele haben. Ich spreche mit einer Tierärztin über diese Frage und sie erzählt mir die folgende Geschichte.

 

Sprecherin: „Das alte Pferd wiehert und wiehert. Es kommt erst zur Ruhe, als ich der Besitzerin vorschlage, es zu seinem besten Freund zu führen. Den habe ich gerade einschläfern müssen. Lange Jahre waren beide unzertrennlich. Das alte Pferd schnuppert an seinem toten Freund. Nach dieser Art Abschied und als wäre jetzt alles klar, beginnt es ruhig zu grasen. Solche und ähnliche Erfahrungen habe ich häufiger im Lauf meines Berufslebens gemacht.“

 

Wie ist das mit der Seele von Tieren? Wer könnte das schon genau sagen? Was ich sicher weiß: Tiere sind fühlende Wesen. Sie haben Emotionen, sie empfinden Angst, Schmerz, Glück und Freude.

Jede Hundebesitzerin, jeder Hundebesitzer weiß, wovon ich rede: Von kaum jemandem wird man so freudig begrüßt, wenn man nach Hause kommt, wie von seinem Hund. Selbst wenn man nur kurz weg war, begrüßt einen der Hund wedelnd und hüpfend, als wäre man ewig weggewesen.

Auch in der Bibel findet sich ein besonderer Blick auf die Tiere. Es beginnt schon in den Geschichten über die Schöpfung. Als Gott die Tiere erschafft, haucht er ihnen den gleichen Lebensatem ein wie uns Menschen. In der Bibel ist dieser Lebensatem dasselbe Wort wie „Seele“. Die Tiere sind unsere Mitgeschöpfe und in besonderer Weise mit uns verbunden.

Wenn ich Berichte lese oder sehe von unhaltbaren Zuständen in der Massentierhaltung, von Tieren, die auf Tiertransporten fast verdursten, die in Schlachthöfen gequält werden, dann läuft es mir kalt den Rücken herunter. Warum lassen wir zu, dass dies mit unseren Mitgeschöpfen geschieht? Wir können doch selbst etwas tun. Auf Fleisch verzichten. Oder es nur von Erzeugern beziehen, wo Tiere nicht gequält werden. Uns für Gesetze einsetzen, die das Wohl der Tiere im Blick haben und der Landwirtschaft ermöglichen, uns unter den gegebenen Regeln zu versorgen.

An anderer Stelle findet sich in der Bibel ein bemerkenswerter Satz darüber, wie wir mit Tieren umgehen. Da heißt es: „Der Gerechte kümmert sich um das Wohlergehen seines Viehs, aber das Herz der Gottlosen ist grausam.“ (1)

Als gerecht werden in der Bibel diejenigen bezeichnet, die nach dem Willen Gottes leben. Das Gegenteil sind die so genannten Gottlosen, die sich um Gott und um seinen Willen nicht scheren. Gott möchte, dass das Leben in der Schöpfung gelingt und bewahrt wird. Und dazu gehört es, sich darum zu kümmern, dass es auch den Tieren gut geht. Und dass kein Tier grausam behandelt wird. 

Der Arzt und Theologe Albert Schweitzer hat von der „Ehrfurcht vor dem Leben“ gesprochen. Er hat den schönen Satz geprägt: „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“ (2)

Für mich bedeutet das: Wir schulden den Tieren, unseren Mitgeschöpfen, dass wir ihnen mit Verantwortung und mit Respekt vor ihrem Leben begegnen.

Für unsere Haustiere haben wir oft ein großes Herz. Warum nicht auch für andere Tiere?

 

 

Es grüßt Sie Ihr Dietmar Arends, Landessuperintendent aus Detmold.

 

 

Quellen:

(1) Sprüche 12,10, Elberfelder Bibel.

(2) Albert Schweizer: Die Ehrfurcht vor dem Leben. Grundtexte aus fünf Jahrzehnten., Verlag C.H. Beck, 2013, S. 20.

 


Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

 

 

 

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