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Das Geistliche Wort | 28.11.2021 | 08:40 Uhr

Zukunftsmusik


 „Wo man singt, da lass dich ruhig nieder. Böse Menschen haben keine Lieder!“ Diese Redewendung habe ich oft von meiner Musiklehrerin gehört. Das klingt für mich sehr einseitig, denn wahrscheinlich gibt es überall gute und böse Menschen, ganz gleich ob sie Freude am Gesang haben oder eben nicht.

Ich selbst singe in einem kleinen Chor. Das gemeinsame Singen sorgt bei mir tatsächlich für gute Stimmung. Deshalb trifft es schon irgendwie zu: „Wo man singt, da lass dich ruhig nieder!“

Angeblich hat die Medizin sogar herausgefunden: Singen ist gesund! Allerdings nicht in Zeiten von Corona. Denn beim Singen kann man sich leider über die Areosole mit Viren anstecken. Deshalb fielen während der Monate des strengen Lockdowns unsere Chorproben aus. Überall mussten die Konzerthallen und Opernhäuser schließen. Auch die Kirchen blieben anfangs zu. Gottesdienste durften nicht gefeiert werden. Auch hier kein Gesang. Mir hat das gefehlt.

Mit unserem Chor gingen wir zu digitalen Chorproben über. Dabei hörte ich nur die Stimme meiner Chorleiterin und meine eigene. Die anderen Chorsänger konnte ich zwar in den Kacheln auf dem Laptop sehen, aber nicht hören. Immerhin blieben wir eine virtuelle Gemeinschaft. Die normalen Chorproben und das Chorgefühl blieben für viele Monate Zukunftsmusik für uns.

Musik 1: „As it’s in heaven“ , The World Choir

Es hat viele Monate gedauert, bis wir uns wieder leibhaftig mit den anderen in unserem kleinen Chor treffen und gemeinsam singen konnten. Bis aus der Zukunftsmusik wieder wirklicher Chorgesang wurde.

„Zukunftsmusik“ heißt für mich so etwas wie von einer schönen Zukunft und von einer besseren Welt träumen. Wenn die Realität so ganz anders aussieht, wenn es nicht rundläuft. Erst recht in Zeiten der Krise. Wie beispielsweise jetzt in Zeiten der Pandemie. Noch ist nicht absehbar, wann sie weltweit gesehen ein Ende hat. Ähnlich sieht es an der Erft oder an der Ahr aus. Die Menschen, die im Sommer von der Flutkatastrophe heimgesucht wurden, werden noch viele Jahre mit den Folgen zu kämpfen haben. Bis die Ortschaften an den Flüssen wieder im neuen Glanz erstrahlen – das ist für die Bewohner dieser Regionen, die schuldlos das Unglück getroffen hat, ferne Zukunftsmusik.

Auch die Bibel kennt zerstörte Städten und verwüstete Landschaften: Wie im Buch Jeremia. Zu Lebzeiten des Propheten herrschen die Babylonier im Vorderen Orient. Sie überfallen das Reich Juda und nehmen es ein. Sie zerstören die Hauptstadt Jerusalem mit ihrem Tempel und legen die blühende Stadt in Schutt und Asche. Ein Teil der Menschen wird verschleppt, andere können fliehen. Wirtschaft und Kultur liegen am Boden.

In dieser nahezu ausweglosen Situation hört Jeremia im Gebet die Stimme Gottes. Anfangs versucht er, die Ohren zu verschließen. Schließlich lässt Jeremia sich doch darauf ein: So wird der Mann zu Gottes Rufer, zum Propheten. Jeremia redet den Menschen ins Gewissen, um sie zur Umkehr zu bewegen. Denn er sieht die Ursache für die Katastrophe in Fehlern und Versäumnissen des Volkes. Deshalb nimmt er kein Blatt vor den Mund: Ihr habt euch euer Unglück selbst zuzuschreiben. Weil ihr die Gebote gebrochen, weil ihr den Willen Gottes aus dem Auge verloren habt. Ihr habt es selbst in der Hand: Wenn ihr euch an die Gebote Gottes haltet, dann wird alles wieder gut. Dann werdet ihr Jerusalem wieder aufbauen können. In den Ohren der Menschen klingt die Verheißung des Jeremia allerdings zunächst wie ferne Zukunftsmusik.

Musik 2: „Gabriellas Song“, Helen Sjöholm

Im Buch Jeremia aus der Bibel ist Jerusalem verwüstet. Den Menschen ist der Boden unter den Füßen weggerissen. In dieser desolaten Situation redet der Prophet den Menschen in Israel und Juda ins Gewissen und weist ihre Schuld auf: Erst wenn ihr aufhört, Menschen zu betrügen und selbstgemachte Götterbilder zu verehren, dann wird sich das Blatt wenden. Erst wenn ihr euch nach dem Willen Gottes ausrichtet, dann habt ihr eine Zukunft. Das ist die Voraussetzung. Und wörtlich verspricht Jeremia den Menschen:

Sprecher:

 „Siehe, Tage kommen – Spruch des HERRN – , da erfülle ich das Heilswort, das ich über das Haus Israel und über das Haus Juda gesprochen habe. In jenen Tagen und zu jener Zeit werde ich für David einen gerechten Spross aufsprießen lassen. Er wird Recht und Gerechtigkeit wirken im Land. In jenen Tagen wird Juda gerettet werden, Jerusalem kann in Sicherheit wohnen. Man wird ihm den Namen geben: Der HERR ist unsere Gerechtigkeit.“ (Jer 33,14-16)

Der Prophet Jeremia verspricht den Menschen und dem Volk Israel also Gerechtigkeit, Rettung und Sicherheit. Und dabei denkt er sogar weiter. Hat Gott nicht die ganze Welt geschaffen? Will er das Heil nicht für alle Völker zu allen Zeiten? Und Jeremia bindet das Heilsversprechen an eine Person. An eine Person, die wie ein Spross aus dem Stamm David kommen soll. Er wird das Reich neu aufbauen und für Sicherheit sorgen. Mit diesem Spross für das Haus David kündigt Jeremia nichts weniger an als einen Heilsbringer.

Wie hat das wohl in den Ohren der Menschen geklungen? Wahrscheinlich nach Zukunftsmusik. Denn die Realität sieht ja ganz anders aus. Aber wem das Dach über dem Kopf fehlt, wer weder Brot noch Kleider hat, der träumt von besseren Zeiten, von einem gerechten Lohn, von Wohlstand und einem glücklichen Leben. Das ist schon immer so gewesen. Der Mensch lebt von der Hoffnung.

Musik 3: „Winters Landscape“, Stockholm Sessions Strings

Der Prophet Jeremia veranschaulicht die dramatische Situation im Land Juda mit dem Bild des Waldes. Die Babylonier haben Juda wie einen Baum gefällt. Stamm und Baumkrone sind abgeschlagen. Früchte wachsen nicht mehr. Der Baum ist tot. Das Bild des Baumstumpfs macht es deutlich: Die Führungsriege hat versagt, der Staat ist kopflos. Das Leben steht still. Der Hunger ist groß.

Bei diesem Bild sehe ich vor meinen Augen die kahlen, von Borkenkäfern zerstörten Fichten. Ich sehe die riesigen Flächen der abgeholzten Regenwälder im Amazonas oder in Sibirien. Angesichts dieser für mich verstörende Bilder frage ich mich ganz konkret: Wie können wir heute unsere Wälder retten, unsere grünen Lungen bewahren? Gibt es noch Hoffnung für unseren Planeten?

Zurück zu Jeremia: In die hoffnungslose Situation seiner Zeit hinein verspricht er den Menschen: Aus dem toten Baumstumpf wird neues Leben wachsen. Aber nicht durch ein plötzliches Wunder, das vom Himmel fällt. Gott hilft uns, wenn wir uns selber helfen. Nicht, wenn wir die Hände in den Schoß legen. Gott wirkt, aber wir müssen mitwirken an seiner Schöpfung! Dazu müssen wir unseren Lebensstil ändern, die Ressourcen schonen und neue Technologien entwickeln, um unsere Erde zu retten.

So und nicht anders ist doch auch der Auftrag im biblischen Schöpfungsbericht zu verstehen: Macht euch die Erde untertan (vgl. Gen 1,28). Gemeint ist nicht Ausbeutung. Vielmehr sollen wir uns um die Erde kümmern. So wie Papst Franziskus in seiner Umwelt-Enzyklika „Laudato si“ (2015) aufruft: zur Sorge für das gemeinsame Haus. Wenn unsere Kinder auf dieser Erde eine Zukunft haben sollen, dann müssen wir das jetzt anpacken.

Musik 4: „“Beautiful Savior King of Creation”, Chor

Der Prophet Jeremia erlebt damals, wie die politische Selbständigkeit des Landes verlorengeht, die Stadt und der Tempel zerstört werden. Deshalb liest er dem Volk die Leviten, um es zur Umkehr zu bewegen. Seine Ansage ist klar: Wenn ihr euer Verhalten ändert, wenn ihr euch selbst helft, dann wird euch Gott helfen. Er gibt euch die Kraft dazu. Dann werdet ihr das Land wieder zu einer neuen Blüte bringen, auch wenn das noch Zukunftsmusik ist.

Auch bei uns in Deutschland leiden gerade junge Menschen angesichts des dramatischen Klimawandels und der Langzeitfolgen der Pandemie unter Ängsten. Andere fühlen sich durch Angriffe auf ihre Person in ihrer Sicherheit oder gar Existenz bedroht. In diese Situation hinein verbreiten Unheilspropheten eine Weltuntergangsstimmung und schüren die Ängste.

Der Prophet Jeremia ist anders. Er analysiert zwar schonungslos die Situation seiner Zeit. Doch er macht auch seinem Namen alle Ehre. Denn der Name Jeremia bedeutet: „Der HERR möge aufrichten.“ Jeremia redet nicht dem Untergang das Wort. Er will, dass die Menschen ihren Glauben neu mit Leben füllen und ihren Lebensstil ändern. Jeremia will die Menschen ermutigen, wenn er sagt:

Sprecher

In jenen Tagen wird Juda gerettet werden, Jerusalem kann in Sicherheit wohnen. Man wird ihm den Namen geben: Der HERR ist unsere Gerechtigkeit.“ (Jer 33,16)

Damit sich etwas verändert, braucht es den ersten Schritt: Ursachen erforschen, die eigenen Fehler wahrnehmen, sich damit auseinandersetzen und Strategien für das gegenwärtige Handeln entwickeln. Wer persönlich oder als Gemeinschaft durch diesen schmerzlichen Prozess hindurchgeht, kann etwas bewegen. Dann kann etwas Neues wachsen.

Musik 5: „The power plant-Kaftverket“, Stefan Nilsson

Die Jeremia-Lesung und ihre Verheißung passen sehr gut zum Auftakt der Adventszeit. Denn die Liturgie der Kirche beschreibt den Advent als eine Zeit der freudigen Erwartung. Zu allen Zeiten hat es Menschen gegeben, die sich selbst als den großen Heilsbringer angepriesen haben. Die haben sich dann oft genug als Scharlatane entpuppt. Deshalb ist Vorsicht ist geboten, um ihnen nicht auf den Leim zu gehen.

Das Kriterium ist für mich: Dass diese Menschen nicht in die eigene Tasche wirtschaften, sondern sich für das Wohl der Menschen und der Erde engagieren. Genau das erleben die Menschen, die Jesus von Nazaret begegnen. Er vertraut auf Gott und setzt seinen Glauben konkret um: Indem er sich um Arme und Kranke kümmert, alle Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben. Durch sein Verhalten bringt er sich in Gefahr. Aber er weicht nicht zurück und geht in den Tod. So durchbricht er die Spirale des Todes. Christen, die sich auf ihn berufen und ihm nachfolgen, erkennen in ihm den von Jeremia verheißenen Spross aus dem Stamm David, den von Lukas angekündigten „Menschensohn“ (Lk 21,28). Weil er sich nicht die eigenen Taschen füllt, sondern weil er sich um die Menschen kümmert und sie in die Mitte der Gesellschaft zurückholt. Weil er das Heil aller will.

Menschen sehnen sich nach Heil und träumen von einer besseren Zukunft, von einem Leben, das nie aufhören möge. Dafür haben sie anschauliche Bilder entworfen wie das vom himmlischen Jerusalem. Das ist für mich eines der schönsten Bilder der Bibel: Die Stadt erstrahlt im hellen Glanz. Hier stehen Engel am Thron Gottes, musizieren und singen. In den Chor der Engel mischen sich die Stimmen der Menschen, die von Gott zum Leben auferweckt wurden. Alle Geschöpfe geben Gott die Ehre. Gemeinsam singen sie das Halleluja. Und ihr Gesang wird niemals enden (vgl. Offb 21). Was für ein Bild voller Zukunftsmusik!

Das Bild des himmlischen Jerusalems ist musikalisch umgesetzt in einem alten Lied. Es ist in meinem kleinen Chor sehr beliebt, und für mich selbst gehört es unbedingt zum Advent dazu: „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ (GGB 554). Besonders schön ist die dritte Strophe:

Sprecherin:

 Gloria sei dir gesungen
   mit Menschen- und mit Engelzungen,
   mit Harfen und mit Zimbeln schön.
   Von zwölf Perlen sind die Tore
   an deiner Stadt; wir stehn im Chore
   der Engel hoch um deinen Thron.
   Kein Aug hat je gespürt,
   kein Ohr hat mehr gehört
   solche Freude.
   Des jauchzen wir und singen dir
   das Halleluja für und für.

Musik 6:“Wachet auf“, Johan Sebastian Bach

Mit dieser Zukunftsmusik wünsche ich Ihnen heute einen gesegneten ersten Adventssonntag! Ihre Eva-Maria Will aus Köln.

 

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