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Kirche in WDR 5 | 08.11.2021 | 06:55 Uhr

Sturm auf das Kapitol

Guten Morgen!

Es gibt Tage, da kommen gegensätzliche Dinge zusammen, die man sich kaum vorstellen kann. Von einem solchen Tag möchte ich erzählen, weil mir bestimmte Bilder dieses Tages bis heute nicht aus dem Kopf gehen.

Es war der 6. Januar, Fest der Heiligen Drei Könige, jene Sterndeuter, die auf der Suche waren nach der Wahrheit, nach dem wahren König. Den, so erzählt die Bibel, hatten sie dann endlich gefunden: nicht in Jerusalem und nicht in dem Palast des Herodes, sondern in einem Stall in Betlehem.

Ich hatte gerade ihre Krippenfiguren aufgestellt, als der Anruf kam: „Mach schnell den Fernseher an: In Amerika bricht das Chaos aus.“ Und wirklich. Da sah ich, wie wütende Trump-Anhänger das US-Kapitol stürmten. Ich erinnere mich, wie ich fassungslos auf CNN die Bilder verfolgt habe: als die hoffnungslos unterbesetzten Wachmannschaften überrannt wurden; wie auf Polizisten eingeprügelt wurde und ein wütender Mob regelrecht Jagd auf Politiker machte. Fanatisierte Menschen, die den Ausgang der Präsidentenwahl nicht wahrhaben wollten. Die sich im Recht fühlten und sich das Recht nahmen, ihre „gefühlte Wahrheit“ entsprechend durchzusetzen, und sei es mit Gewalt.

Ich habe mich gefragt: Was bringt Menschen dazu, sich derart aufhetzen zu lassen? Was bringt sie dazu, nur noch die eigene Meinung gelten zu lassen und Andersdenkende „mundtot“ zu machen? Warum hören Menschen nur noch auf die, die ihnen nach dem Mund reden und lassen nur das an sich heran, was in das eigene Weltbild passt? Ganz nach dem Motto: Ich traue nur noch den Informationen, die meine Sicht der Dinge bestätigt. Mit dieser Haltung verschließt man sich und wird auch anfällig für Desinformation und Propaganda, für Verschwörungstheorien, für „Fake News“, wie es heute heißt.

Die Versuchung, nur das zu glauben, was man glauben will, gab es schon immer. Die Weltgeschichte – und auch die Religionsgeschichte – ist voll von Wahrheitskämpfern und selbsternannten Heilsbringern, vermeintlich dazu auserwählt, anderen ihre Sicht der Dinge aufzudrängen. Und zur Durchsetzung der „wahren“ Lehre, des „wahren“ Glaubens, war allzu oft auch jedes Mittel recht.

Daran musste ich denken an jenem 6. Januar, als ich eigentlich die Krippenfiguren der Heiligen Drei Könige aufstellte. Diese Könige sind gewissermaßen das Gegenbild zu jenen Kapitolsstürmern, die sich genommen haben, von dem sie meinten, es gehöre ihnen. Jene Sterndeuter dagegen haben die Wahrheit nicht besessen, sondern sie gesucht. Sie haben sich führen lassen, tastend und suchend, in dem Vertrauen auf den Gott, der schon längst sein Licht auf ihren Weg geworfen hat, jeweils genügend für den nächsten Schritt. Und um zur wahren Erkenntnis zu gelangen, mussten sie keinen Palast stürmen und auf keine Andersdenkenden oder Andersgläubigen einprügeln. Der Weg ihrer Wahrheitssuche ließ sie offen bleiben für anderes, für Überraschungen. Und so kamen sie schließlich da an, wo sie freiwillig auf die Knie gingen, vor dem Kind in der Krippe, dem wahren Gott.

Um der Wahrheit Gottes näher zu kommen, bedarf es schließlich der Bereitschaft, genau hinzusehen und hinzuhören, nicht sich blenden zu lassen von denen, die meinen, im Besitz der Wahrheit zu sein. Wahrheitssuche beginnt vielmehr mit der Offenheit für Neues und dem Wahrnehmen dessen, was ist, und es bedarf der Weggemeinschaft im Glauben, um die Wirklichkeit zu deuten. Denjenigen, die auf das Wort Gottes hören, verheißt Jesus übrigens, dass sie die Wahrheit erkennen und die Wahrheit sie befreien wird (Joh 8,31f). So frei wie die Heiligen Drei Könige. Sie haben gesucht und gefunden. Und wer die Wahrheit seines Lebens gefunden hat, der muss keinen überreden oder bedrängen.

Ich bin Peter Klasvogt aus der Kommende Dortmund. Kommen Sie gut durch den heutigen Tag.

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