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Kirche in WDR 5 | 10.11.2021 | 06:55 Uhr

Wofür stehen wir - wovor beugen wir das Knie

Guten Morgen!

„Die Jungs sind ja richtig fromm“, raunte eine Stimme neben mir. Wir schauten auf eine Großleinwand, zusammen mit anderen Fußballfans, die ungeduldig der Partie Deutschland gegen England entgegenfieberten. Doch wie schon öfters bei dieser Europameisterschaft gingen auch hier die Spieler beider Teams für einen Moment zunächst auf die Knie, zum Zeichen gegen Gewalt und Rassismus: ein ausdrucksstarkes Bekenntnis für Offenheit und Toleranz. Und wer weiß, ob der eine oder andere Spieler dabei nicht auch ein kleines Stoßgebet gen Himmel geschickt hat.

Doch auch wenn es sich bei diesem Kniefall in dem Fußballstadion nicht um ein religiöses Zeichen handelt, wie ich es aus der Kirche kenne, so zeigt sich darin doch das Bedürfnis, damit zum Ausdruck zu bringen, wofür man sich einsetzt: für eine Haltung der Demut und des Respekts, für den Glauben an eine bessere Welt ohne Hass und Gewalt.

Angefangen hatte das mit dem Kniefall des amerikanischen Football-Spielers Colin Kaepernick, der bei der Nationalhymne erst aus Protest sitzen blieb und dann – zur Verwunderung der ganzen Nation – auf die Knie ging: für die einen eine unerhörte Missachtung der nationalen Symbole; für die anderen eine Heldentat: dass da jemand für seine Überzeugung öffentlich einsteht, selbst wenn es für ihn das Ende seiner Sportlerkarriere bedeutete. Er könne nicht stolz sein auf ein Land, „das Schwarze und andere People of Color unterdrückt“, so kommentierte Colin Kaepernick später seinen Kniefall. „Für mich ist das wichtiger als Football.“ Und viele machen es ihm seither gleich, nicht nur in Amerika. Da ist auch der gewaltsame Tod des Afroamerikaners George Floyd zu nennen, der unter dem Knie eines Polizisten keine Luft mehr bekam und qualvoll gestorben ist. Seither gehen Bilder von niederknienden Demonstranten um die Welt; von Polizisten, ja sogar von Politikern wie Joe Biden, der in einer afro-amerikanischen Methodistenkirche auf die Knie ging und dabei aus seiner christlichen Gesinnung keinen Hehl machte.

Es ist schon merkwürdig. Während das Knien auch in den katholischen Gemeinden immer mehr aus der Mode kommt und viele ihrer Kirche den Rücken kehren, gibt es in der Gesellschaft offensichtlich das Bedürfnis, sich zu dem zu bekennen, woran man glaubt – auch in aller Öffentlichkeit. Eine Sportartikelfirma hat daraus einen Werbefilm gemacht. Eine Werbebotschaft, die provoziert. Die Botschaft: „An etwas glauben. Auch wenn es bedeutet, alles andere dafür zu opfern.“ – Eine Marketingkampagne, die den Protagonisten des Kniefalls zum Helden stilisiert, zum Heiligen.

Ich fühle mich jedenfalls dadurch herausgefordert und frage mich: Woran glaube ich? Und stehe ich zu meinem Glauben, auch in der Öffentlichkeit? Für mich ist klar: Ich beuge meine Knie vor dem lebendigen Gott, auf den ich all mein Vertrauen, meine Hoffnung setze. Ich muss deswegen in der Öffentlichkeit nicht in die Knie gehen, aber ich sollte schon bereit sein, wie es im ersten Petrusbrief heißt, „jedem Rede und Antwort zu stehen, der von mir Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die mich erfüllt“ (1 Petr 3,15f).

„An etwas glauben. Auch wenn es bedeutet, alles andere dafür zu opfern.“ Die Botschaft jener Werbekampagne geht mir nicht aus dem Kopf. Für den amerikanischen Footballspieler war es eine Geste der Demut, aber auch des Protests. Wenn ich heute vor meinem Gott auf die Knie gehe, dann ist das zwar weniger publikumswirksam, aber es ist meine Weise, mich zu meinem Gott zu bekennen – und auch bereit zu sein, alles für ihn zu opfern.

Ich bin Peter Klasvogt von der Kommende Dortmund, kommen Sie gut durch diesen Tag!

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