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Kirche in WDR 5 | 12.11.2021 | 06:55 Uhr

Klagelied für die Arktis

Guten Morgen!

Sind es gute Nachrichten, die uns heute aus Glasgow erreichen? Ist der Klimawandel noch aufzuhalten? Die ganze Woche schon ringt man auf der Weltklimakonferenz um Perspektiven und Lösungen. Das Begleitkonzert konnten wir in diesem Jahr ja gewissermaßen vor der eigenen Haustür erleben: reißende Sturzfluten und Überschwemmungen, Hitzewellen und verheerende Feuerwalzen, orkanartige Stürme und Tornados, die eine Schneise der Verwüstung hinterlassen haben. So viele Menschen, die ihr Hab und Gut verloren haben, die obdachlos geworden sind, denen die Lebensgrundlagen entzogen sind. – All das lässt beschämt fragen: Was haben wir aus der Erde gemacht, die – so würde ich als Christ sagen – Gott uns anvertraut hat? Geschaffen als Gottes Ab- und Ebenbild sind wir doch in die Schöpfung hineingesetzt, gewissermaßen als deren Gärtner, um an Gottes statt die Erde treuhänderisch zu verwalten und zu gestalten, zu hegen und zu pflegen. „Gott sah alles, was er geschaffen hat, und es war gut, sehr gut“, so klingt in mir noch der biblische Schöpfungsbericht nach (vgl. Gen 1).

Dagegen kommt mir in diesen Tagen immer wieder eine Szene in den Sinn: ein Videoclip mit dem italienischen Komponisten Ludovico Einaudi. Er sitzt vor der Küste von Spitzbergen an einem Flügel – auf einer schwimmenden Plattform vor der gewaltigen Kulisse eines Gletschers, mitten in die Arktis. Während Einaudi sein Stück „Elegy for the Arctic“ spielt: „Klagelied für die Arktis“, brechen im Hintergrund immer wieder riesige Eisbrocken ins Meer. Die Klage über das Schmelzen der arktischen Gletscher – es ist zugleich eine Anklage gegen die menschengemachte Erwärmung der Erde und ein eindrucksvolles Plädoyer für den Schutz und Erhalt der arktischen Eisschilde.

Solche Klage um die bedrohte Menschheit findet sich auch in der Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus. Der spricht von dem „Stöhnen der Schwester Erde, die sich dem Stöhnen der Verlassenen der Welt“ anschließt. „Niemals“, so der Papst, „haben wir unser gemeinsames Haus so schlecht behandelt und verletzt wie in den letzten beiden Jahrhunderten“[1]. Wir haben nur diese eine Erde, und es ist in unsere Verantwortung gegeben, dass alle Menschen auf ihr wohnen können, in Würde und Wohlergehen. Darauf hat der Papst eindringlich hingewiesen, und das war weit mehr als nur ein weiterer Appell zu mehr Umweltschutz. Es geht ihm um einen fundamentalen Mentalitätswechsel: dass wir „die Klage der Armen ebenso … hören wie die Klage der Erde“[2]: dass wir hinhören, wo Menschen ihre Not klagen; dass wir wahrnehmen, wo die Lebensgrundlagen der Menschen bedroht sind. Denn „wir sind berufen“, so der Papst, im Namen Gottes daran mitzuwirken, „damit unser Planet das sei, was Er sich erträumte, als Er ihn erschuf, und seinem Plan des Friedens, der Schönheit und der Fülle entspreche.“

Vielleicht hat Ludovico Einaudi bei seinem virtuosen Spiel auf der schwimmenden Plattform in der Arktis daran gedacht, als er vor der gewaltigen Kulisse der Natur jene zarte Melodie gespielt hat: „Eine großartige Erfahrung“, wie er später sagte, „die Reinheit und Zerbrechlichkeit dieses Ortes zu sehen.“[3] Es ist nicht zu überhören: die Erde klagt, und mit ihr klagt der Mensch. Das „Klagelied für die Arktis“ ist zugleich eine Hommage an den Schöpfer und eine Mahnung an uns Menschen, bei allem schöpferischen Tun auf die Zwischentöne zu achten und in allem, was ist, das eine Wort zu vernehmen, das Gott in seine Schöpfung gelegt hat. Denn alles, was er geschaffen hat: es ist gut, sehr gut.

Ich bin Peter Klasvogt aus der Kommende Dortmund. Kommen Sie gut durch diesen Tag!

[1] Papst Franziskus, Enzyklika „Laudato si“, 48. [2] Papst Franziskus, Enzyklika „Laudato si“, 49.

[3] Tiroler Tageszeitung,30.6.2016 https://www.tt.com/artikel/11659121/ludovico-einaudi-spielt-klagelied-auf-einem-fluegel-im-eismeer

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