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Kirche in WDR 5 | 15.11.2021 | 06:55 Uhr

Die große Prüfung

Guten Morgen!

Und – wie war Ihre Nacht? Sind Sie frisch und erholt aus den Kissen gekommen, ausgeschlafen, glockenwach? Im Kopf vielleicht noch bunte Bilder, behagliche Träume?

Oder ist der Morgen dieses Montags eher mühsam? Nach mäßigem Schlaf mit Kopf-Karussell und Sorgen-Schlamassel? Oder gar mit Angst und Schrecken eines Alptraums?

Ein Alptraum-Klassiker in meinem Kopf ist von Kindheit an: die große Prüfung. Keine Ahnung, warum das so ist, meine Lehrerinnen waren freundlich, die Schule keineswegs schrecklich. Und doch sind sie da, diese Sequenzen. Zu wissen, du bist blank, hast keine Ahnung, bist schlicht nicht vorbereitet, weißt einfach nichts. Und gleich, gleich geht es los, in einer Stunde, in zehn Minuten, ich bin schon unterwegs, laufe durch lange, finstere Gänge, und das auch noch zu spät – nein, keine Chance, du hast einfach keine Chance. Und kommst doch nicht dran vorbei. Gleich öffnet sich die Tür. Und du wirst scheitern.

In den schlimmeren Nächten sind es - mitunter noch heute - die richtig großen Prüfungen. Schulabschluss, Examen. Und dir ist klar: Hier hängt alles dran. Schaffst du’s heute nicht, schaffst du’s nie, ist alles vorbei. Und so wird es sein – denn DU hast alles verpennt, versemmelt, vergessen.

Wie gerädert wache ich nach solchen Träumen auf. Wie gerädert – und heilfroh, erlöst zu sein.

Und im Übrigen heilfroh, im Jahr 2021 zu leben. 

Jahrhundertelang haben ganz andere Alpträume die Menschen Tag und Nacht verfolgt und um den Schlaf gebracht. Buchstäblich „gerädert“ zu werden, furchtbar gefoltert, gemartert, gepeinigt – höllische Qualen zu leiden - im Jenseits. Jenseits der ganz großen Prüfung, jenseits des Jüngsten Gerichts. So hat man sich das vorgestellt: Am Ende der Zeiten würde Gott alle, Lebende wie Tote, vor seinem Richterstuhl versammeln. Und dann würde sich entscheiden: Paradies oder Hölle. Die schreckliche Angst der Verdammnis regierte im christlichen Abendland, weit übers finstere Mittelalter hinaus. Brutale Bilder gab’s ohnehin reichlich – in jedem Dorf ein Richtplatz und rohe Gewalt allenthalben. Nur wenig Phantasie brauchte vor 500 Jahren der Maler Hieronymus Bosch für seinen Bildergrusel vom großen Jüngsten Gericht. Und die Kirche hielt den Alptraum wach. Die Furcht vor Verdammnis und Höllenqual missbrauchte man gern. Keiner konnte, keine sollte sicher sein vor der großen, letzten Prüfung.

Ein Alptraum.

Doch aufgewacht! Gott sei Dank (!) aufgewacht sind wir aus diesen finsteren Zeiten. Wo der Alptraum vom höllischen Ende viele lebenslang schüttelte.

Als ob es das bräuchte. Wo wir Menschen so verdammt gut darin sind, einander das Leben zur Hölle zu machen. Schon hier und jetzt auf Erden – viel, viel zu oft.

Aber Gott? Gott braucht das nicht.

Spricht mich frei. Macht’s gut mit mir, auch wenn ich es vermassele. Um Gottes willen gibt‘s Gnade und Barmherzigkeit.

Und wir, wir werden heilfroh, wenn wir selbst damit nicht warten bis zum Jüngsten Tag. Sondern heute beginnen.

Glückauf.

 

Ihr Ulf Schlüter, Bielefeld.

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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