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Kirche in WDR 5 | 10.02.2022 | 06:55 Uhr

Die große Freiheit

Guten Morgen!


Ich steige auf, drehe am Gashebel und düse los. Flüsterleise rauscht das Elektromoped mit mir davon. Die Beschleunigung ist enorm, aber bei 50 km/h ist Schluss. Zum Glück, sonst würde ich immer weiter aufdrehen. So viel Spaß macht es mit dem kleinen weißen Flitzer. Und ich habe das Gefühl, ich könnte immer weiterfahren. Keiner hält mich auf. Nur die Ladekapazität der Batterie setzt dem Fahrspaß irgendwann ein Ende.


Vor drei Jahren habe ich mir dieses Elektromoped gegönnt. Denn immer wieder hatte ich mich an mein Mofa aus den 80ern erinnert. Eine Zündapp. Sie brachte es nur auf 30 Stundenkilometer, aber mir die große Freiheit. 15 Jahre war ich alt und knatterte über die Dörfer. Unabhängig von Zug- und Busverbindungen.


Für mich wie für viele Zweiradfahrer ist offensichtlich das Freiheitsgefühl das große Thema. Ich bin nicht angewiesen auf öffentliche Verkehrsmittel, auf Zeitpläne und Haltestellen. Ich habe aber auch kein dickes Auto um mich herum und brauche kein Parkhaus. Auf einem Zweirad sehe ich viel mehr von meiner Umgebung, höre und rieche alles viel intensiver als im PKW.


Bei diesen kurzen Fahrten kann ich abschalten. Manchmal fühle ich mich dann wie der Cowboy Lucky Luke im Comic, der auf seinem Pferd sitzt und der Sonne entgegen reitet. Ein Gefühl von großer Freiheit!


Freiheit - mich frei fühlen zu können - das ist ein hohes Gut. Und „frei sein“ hat ganz verschiedene Aspekte: Meine kleinen Fluchten auf dem Moped mit dem kurzen Glücksgefühl erinnern mich zum Beispiel an die ganz großen Freiheiten, die ich habe. Ich kann meine Meinung öffentlich sagen. Ich bin nicht unterdrückt in einer Diktatur oder gar versklavt wie die Glaubensgeschwister vor Jahrtausenden. Nicht umsonst erzählt eine der größten Befreiungserzählungen in der Bibel davon, wie Gott das Volk Israel aus der Gefangenschaft in Ägypten befreit. Eine prägende Geschichte bis heute. Und auch der Apostel Paulus, dessen Briefe in der Bibel erhalten sind, betont immer wieder: An Gott zu glauben, bedeutet frei zu sein.


Das heißt für mich: Ich bin nur Gott verpflichtet, sonst niemandem. Keiner sonst hat Macht über mich und mein Leben. Das heißt aber auch, dass ich mich in meinem Leben am Willen Gottes orientiere. Und da geht es im Kern um die Liebe. Sowohl in den 10 Geboten, als auch in der Botschaft Jesu. Deshalb ist Freiheit für mich immer mit Liebe verbunden.


Freiheit ist also nie Egoismus. Freiheit heißt am Ende nicht, ich bin ein einsamer Cowboy ohne Gesetze. Als Mopedfahrer muss ich mich ja auch an Regeln halten - um damit mich und andere zu schützen. Freiheit hat für mich deshalb immer auch mit Fürsorge zu tun. Gesunde unterstützen die Kranken, Reiche die Armen, Starke die Schwachen. So sollte es sein.


Nicht umsonst heißt es in einem Kirchenlied: „Wir wollen Freiheit, aus der man etwas machen kann!“ Ich will aus meiner Freiheit etwas machen. Etwas, das auch meine Mitmenschen im Blick hat. Sonst bin ich nämlich nicht wirklich frei. Sonst führt mich mein Weg in die Enge, nicht in die Weite.


Dass Sie in diesem Sinne auch immer wieder ganz viel Freiheit erleben können

wünscht Ihnen aus Bielefeld, Ihr Pfarrer Bernd Becker.



Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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