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Kirche in WDR 5 | 23.02.2022 | 06:55 Uhr

Spieglein, Spieglein

Guten Morgen.

Da gab es im Schlafzimmer meiner Eltern diesen Schminktisch mit dem dreiteiligen Spiegel. Ein runder Spiegel in der Mitte und seitlich zwei Halbkreise zum Umklappen. Die hab´ ich als Kind oft zugeklappt und das Gesicht in den schmalen Spalt dazwischen gesteckt. Da spiegelte sich dann mein Gesicht in dem runden Spiegel und das wiederum spiegelte sich in den Seitenspiegeln und so weiter und so weiter – eine unendliche Spiegelung meines Gesichtes. Das war spannend und es war gruselig.

Seit uns das Virus auf Distanz gezwungen hat, kommen wir uns bei Videokonferenzen oder Videotelefonaten zugleich ganz nah. Hellwach oder verstrubbelt, konzentriert oder übermüdet. Teils auch „eingefroren“, mitten im Satz erstarrt mit geplusterten Wangen oder verzogenen Lippen. Klar, das ist „nur“ auf der Kachel. Aber „in echt“ bin ich den Gesichtern der anderen und auch meinem selten so nah. Falten und Augenringe eingeschlossen. Da kriegt der Satz: „Man sieht sich“ einen ganz neuen Klang. Weiß Gott - man sieht sich - und nicht nur das, was man sehen möchte.

Mehr als sonst – so kommt es mir vor – ist in der Pandemie das Internet zu einer Spiegelfläche geworden. Im Netz suchen und finden wir Information und Identität, finden und erfinden wir uns. In Memes und Chats, Bildern und Videos. Besonders die digitalen Medien sind Fenster zur Welt, zu Fernen und Nächsten. Wer immer dieses Fenster öffnet, wird auch selbst sichtbar. Für sich und andere. Spiegelt sich im Medium und in den Blicken der anderen. Gibt buchstäblich ein Bild ab. Bringt sich in Form und lässt sich formen.

Und wer bin ich in der Fülle der Bilder und zwischen den digitalen Spiegelungen? Hoffentlich nicht nur der erschöpfte Konferenzmarathonläufer - oder besser -marathonsitzer - mit den viereckigen Augen, der mich von der Zoomkachel anstarrt? Und ja auch längst nicht immer, die verbindlich-kompetente Vertrauensperson in meinem dienstlichen Profilbild oder der wortwitzige Kreative aus der privaten Statuszeile.

„Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Bild“ – so lese ich beim Apostel Paulus im Brief an die Gemeinde in Korinth. Da sind die Fremd- und Selbstbilder bunt und mitunter schräg und der Beziehungsstatus der Gemeinde ist kompliziert. Deshalb bringt Paulus noch ein weiteres Bild in seinen Brief ein: Das Bild der Liebe, das Gott von mir hat. Gott – niemand sonst – hat das ultimative Bild von mir. Und auf dieses Bild der Liebe kann ich hinleben. Paulus schreibt, dass ich mich selbst und die anderen erst am Ende der Zeiten erkennen kann. Und zwar so, wie Gott uns gemeint hat. „Dann aber sehen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin.“ (Die Bibel, Luther 2017, 1. Korinther13,12)

Wie gut zu wissen, dass ich nicht aufgehe in dem, was andere von mir denken. Dass ich nicht aufgehe in meinen eigenen Spiegelungen, nicht untergehe in meinen eigenen Bildern von mir selbst, nicht in den blendenden und nicht den peinlichen. Gott sei Dank!


Einen fröhlichen Tag wünscht Ihnen Jan-Dirk Döhling aus Bielefeld.


Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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