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Kirche in WDR 5 | 07.03.2022 | 06:55 Uhr

Selig, die Frieden stiften (Matthäus 5,9)

Guten Morgen!

Liebet eure Feinde, hat Jesus gesagt. (1)

In mir aber wächst Hass gegen den Mann im Kreml. Er mordet und metzelt Männer, Frauen, Kinder. Er zerschießt die Zukunft. Er zerschießt sogar die Vergangenheit: Alles, wofür sich so viele, viele Christinnen und Christen auch, über Jahrzehnte eingesetzt haben: Für Gewaltfreiheit, für Abrüstung, für gute Nachbarschaft – für die Stärke des Rechts und gegen das Recht des Stärkeren.


Dieser Friede ist uns nicht in den Schoß gefallen. Soldaten, darunter ukrainische und russische miteinander, haben Europa von den Nazis befreit. Politiker haben im „Kalten Krieg“ Nächte um Nächte durchgeredet, persönliche Risiken auf sich genommen und Widerstände in sich selbst überwunden. Menschen auf der Straße haben demonstriert, Teelichte entzündet, Menschenketten gemacht, Friedensgebete veranstaltet. Und nicht nur Herzblut haben viele dafür vergossen, sondern ganz reales Blut.


Mag die europäische Friedensordnung noch so viele Mängel haben. In ihr ist das Lebenswerk derer wirksam, die nach dem Zweiten Weltkrieg gesagt haben: Nie wieder Krieg! Krieg darf um Gottes willen nicht sein! Der Friede in Europa ist kein Friede, der ohne Waffen geschaffen wurde. Er wurde mit Waffen geschaffen. Und: Er ist ein Friede, der ohne die Pazifisten und Kriegsdienstverweigerer, ohne die Frieden-schaffen-ohne-Waffen-Schwerter-zu-Pflugscharen-Rufer nicht gewachsen wäre. Sie haben dem aufgeblasenen Geist des Militarismus die Luft abgelassen. Die Befriedung unseres Kontinents ist ohne seine Friedensbewegungen undenkbar.


Und jetzt? Kann man in diesen Tagen „Schwerter zu Pflugscharen“ fordern? Wie zynisch wäre es, es den Menschen in der Ukraine vom sicheren Sofa aus zuzurufen!


Trotz aller Unsicherheit, was jetzt richtig und was jetzt falsch ist, weiß ich eines ganz gewiss:


Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen.

Selig sind die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen.

Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, denn ihrer ist das Himmelreich. (2)


Diese Sätze müssen in der Welt bleiben. Die waren nie naiv. Die waren nie billig. Die sind weder moralische Appelle noch politische Rezepte. An denen klebte immer Märtyrerblut. Jesus hat sie gesagt. Er hat sie gelebt, diese Sätze.
Dafür ist er ins Gefängnis gesteckt worden, bespuckt, gefoltert und hingerichtet. Und er ist nicht totzukriegen. Er steht immer wieder auf in denen, die nicht Jesus sind, oft gar keine Christen, aber es ihm gleichtun. Auch in diesen Tagen.


Und noch ein Satz von Jesus muss in der Welt bleiben. Das beweist mir mein eigener Hass: „Liebet eure Feinde.“ Nicht, um Putins willen. Um meiner selbst willen. Hass ist etwas zutiefst Persönliches. Hass zerfrisst von innen, und macht mich zur Sklavin meines Feindes. Hass macht mich unfähig zu denken und klug zu handeln. Auch wenn ich gerade nicht weiß, wie ich ihn lieben soll – Putin wird mich nicht zur Hasserin machen.


Und auch dieser Satz, der muss bleiben. Sonst würde ich verzweifeln:

Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden.


Friede sei mit Ihnen. Ihre Silke Niemeyer aus Münster.



(1)

In der Bergpredigt, Matthäus 5,44

(2)

Matthäus 5,1-12




Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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