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Kirche in WDR 5 | 31.03.2022 | 06:55 Uhr

Einer trage des anderen Last

Nach einer Bildungsveranstaltung in einer Gemeinde überreichte mir die Pfarrgemeinderatsvorsitzende freundlich lächelnd eine Flasche Wein, die war in einem Stoffbeutel, und der war bedruckt mit dem Logo der Gemeinde und mit dem Wort „Einer trage des anderen Last“ (Gal 6,2). Das stammt aus der Bibel, Paulus schrieb es an seine Gemeinde [in Galatien]. Wenn ich mit diesem Beutel einkaufen gehe, dann immer mit einem besonderen Vergnügen. Ich bin mir des Widerspruchs bewusst, wenn ich in diesem Beutel meinen eigenen Einkauf transportiere und nicht die Lasten der anderen trage. Wie auch immer: Wie tröstlich ist doch der Gedanke, gemeinsam Lasten zu tragen, anderen Lasten zu tragen oder die eigene Last abgenommen zu bekommen.

Wie das gehen mag, dazu weiß die Bibel viel beizutragen. Dieses Jahr fallen das jüdische Pessach-Fest und das christliche Osterfest in die gleiche Zeit. Bei beiden Festen geht es um das Gleiche: Gott rettet aus dem Tod. Die Bibel schildert, wie das Volk Israel in Ägypten unterdrückt wurde und Sklavenarbeit leisten musste. Gott hat es unter der Führung des Mose in die Freiheit geführt.Das feiert die jüdische Gemeinschaft am Pessach-Fest.
Im Psalm spricht Gott über sein gerettetes Volk „Seine Schulter habe ich von der Last befreit, seine Hände kamen los vom Lastkorb“ (Ps 81,7). Und wie eine Antwort darauf klingt ein anderer Psalmvers: „Gepriesen sei der Herr Tag für Tag: der Last schleppt für uns, Gott, der unsere Rettung ist“ (Ps 68,20).

Im Neuen Testament ereignet sich dasselbe Wunder noch einmal. Jesus trägt das Kreuz zu seiner Hinrichtung – und die christliche Deutung ist: er schleppt unsere Lasten, er trägt den ganzen irrsinnigen, wütenden Vernichtungswillen der Welt auf seinen Schultern. [Die Mächtigen, die den in ihren Augen unbedeutenden Jesus kreuzigen lassen, haben Angst vor Machtverlust und müssen zeigen, dass sie jeden, der von Freiheit und Liebe redet, zum Schweigen bringen können].

Und dann gibt es mitten in der Passionserzählung eine ganz besondere Szene: „Als sie aber hinauszogen, fanden sie einen Mann aus Zyrene, mit Namen Simon, den zwangen sie, dass er sein Kreuz trage“ (Mt 27,32). Simon trägt das Kreuz für Jesus. Der Text ist ganz nüchtern und voller Leerstellen. War Jesus durch die vorangehenden Foltern schon zu schwach, sein Kreuz selbst zu tragen? Wusste Simon, was er hier tat? Kannte er überhaupt Jesus? Hat er es gern getan? Er wurde schließlich gezwungen, zufällig von Soldaten verhaftet und verpflichtet. – Für alle, die die Kreuzigung Jesu miterlebten, war es schrecklich und traumatisch. Für seine Jünger und Jüngerinnen war es das Ende aller ihrer Träume und Hoffnungen. Erst nach Ostern eröffnet sich eine neue Perspektive: Gott hat Jesus von den Toten auferweckt. Sein Tod ist Zeichen der Solidarität mit allen Leidenden, Rettung und Erlösung. Keiner braucht mehr die Last allein zu tragen, der Sohn Gottes hat alles auf sich genommen und öffnet allen Menschen die Tür zum Leben.

Diese Deutung der Kreuzigung: Dass der allmächtige Erlöser das alles auf sich nimmt, bewegt mich – auch wenn ich es nicht ganz erfassen kann. Und dass er dann noch dabei die Hilfe irgendeines unbekannten Menschen annimmt, das geht über mein Begreifen. Simon leistet, ohne es zu wissen, seinen Bei-trag zur Erlösung der Welt.

Wissen wir es, welche unserer Lasten von anderen Menschen getragen werden? Wissen wir, ob nicht auch wir, willig oder unwillig, bewusst oder unbewusst, anderen Menschen die Lasten tragen? Hier scheint eine neue Welt auf. Eine Welt der Solidarität. So lohnt es sich zu leben. „Einer trage des anderen Last – so erfüllt ihr das Gesetz Christi“ (Gal 6,2).

Ich bin Egbert Ballhorn und ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag.

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