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Kirche in WDR 5 | 03.05.2022 | 08:55 Uhr

Genießen im Angesicht des Krieges?

Guten Morgen.

 

Über den schneebedeckten Wipfeln geht die Sonne auf. Ich genieße den Ausblick von meinem Balkon. Das Panorama der 3000er ist atemberaubend.

Aber mir ist auch mulmig zumute. In der Ukraine ist Krieg. Viele Menschen müssen sterben.

Andere fliehen.

 

Ich fühle mich zerrissen, habe ein schlechtes Gewissen.

Ein paar Urlaubstage genießen und gleichzeitig vom Krieg nebenan zu wissen.

Meinen Mitreisenden geht das ähnlich. Die Situation in der Ukraine dominiert die Gespräche beim Frühstück und zwischendurch. Es tut gut, dann aber einmal abzuschalten, es sich gut gehen zu lassen.

Trotzdem fällt es schwer, im Urlaubsmodus zu bleiben.

Genießen im Angesicht von Krieg und Terror? Das Leben feiern, wenn anderswo in Europa Menschen unschuldig sterben? Geht das, darf ich das?

 

Wenn ich ehrlich bin, war es doch noch nie anders. Konflikte, Streit und bedrohliche Krisen, die gab es schon immer. Zwischen Menschen und Völkern, Ländern und Machthabern. Sogar auch in der Bibel.

Zwischen Kain und Abel, David und Goliath bis hin zur ersten christlichen Gemeinde, von der das Neue Testament erzählt. Da waren sich auch nicht alle immer einig, ein Herz und eine Seele. Eigentlich ist das ja Realität. Mein Leben – schon immer ausgespannt zwischen Extremen. Zwischen Freude und Leid, Fest und Trauer.

 

Mit dieser Ambivalenz muss ich leben und umgehen. Jeden Tag. Schon immer.

Der Krieg in der Ukraine rückt nur so erschreckend nahe an mein eigenes Leben heran.

Und es fühlt sich schwerer an als sonst, diese Realität auszuhalten. Erholsame Urlaubstage und Krieg und Leid finden gleichzeitig statt. Das ist krass und lässt sich nicht auflösen, so sehr ich mir das wünsche.

 

Was mir trotz allem hilft, ist mein Glaube. Der Gott, an den ich glaube, möchte Frieden und nicht Streit. Gott ist es, von dem der Frieden ausgeht und der uns Menschen den Frieden zusagt. Und uns auch zutraut, Frieden zu halten. Und doch gelingt es uns nicht. Das ist bitter.

 

Aber der Gott, der den Frieden will, weint auch mit den Weinenden und freut sich mit den Fröhlichen. In Gott, der der Friede ist, ist alles aufgehoben.

Und neben den grausamen Szenen des Krieges schenkt Gott mir Bilder vom Leben, von seiner wunderbaren Schöpfung. Von Bergen, blauem Himmel und Sonne.

Von Schnee und Alpenpanorama. Damit ich das Helle und Frohe hochhalten und meine Seele auftanken kann. Damit ich Kraft schöpfe, um zu Hause, zurück im Alltag, anderen wieder Hände zu reichen.

Darum darf das Genießen sogar seine Zeit haben. Ja, muss es sogar. Immer wieder.

 

Beim Essen am Tisch teilen wir Reisenden miteinander unsere Sorgen und Ohnmacht. Bringen unsere Zerrissenheit zum Ausdruck.

Nicht sprachlos bleiben; klagen, auf Frieden hoffen, für ihn beten und ihn wagen das ist wichtig, geht mir durch den Kopf.

Der Krieg wird dadurch nicht beendet. Es wird weiter geschossen und gebombt. Gott weint mit den Weinenden und schenkt uns seinen Frieden, damit wir ihn in die Welt tragen.

 

Und über den Wipfeln der Schweizer Berge geht langsam die Sonne unter und wieder auf.

 

Pfarrerin Christiane Neufang aus Köln.

 

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze 

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