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Kirche in WDR 5 | 09.05.2022 | 07:50 Uhr

102. Geburtstag von Sophie Scholl

Der gestrige Tag steht für eine historische Wegmarke.

Denn am 08. Mai 1945 war der Zweite Weltkrieg vorbei. Damals, am Tag drauf, wäre eine Frau 24 geworden, die diesen Geburtstag aber nicht mehr erlebt. Ihr Name ist unweigerlich verbunden mit dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.

Ich spreche von Sophie Scholl. Geboren am 09. Mai 1921, war ihr Leben schon mit 21 Jahren zu Ende.

Denn am 22. Februar 1943 werden Sophie, ihr Bruder Hans sowie Christoph Probst wegen Hochverrats und Feindbegünstigung zum Tode verurteilt und hingerichtet. Zwei Monate später wird durch drei weitere Todesurteile der innere Kreis der Widerstandsbewegung „Weiße Rose“ ausgelöscht sein.

Im Lichthof der Münchner Universität hatten Sophie und Hans das sechste Flugblatt der „Weißen Rose“ ausgelegt und in größeren Mengen von der ersten Etage in den Lichthof geworfen. Darin prangern sie das sinnlose Sterben im Krieg an und fordern die Freiheit des Volkes zurück.

Sie wurden vom Hausmeister beobachtet und festgehalten und von der Gestapo dann verhaftet.

Ich erinnere mich, dass ich schon einmal im Lichthof der Münchner Universität stand.

Ich habe mich gefragt: Wer war Sophie Scholl?

Woher nimmt sie den Mut für das Mitmachen bei der Weißen Rose?

Und wie kommt es, dass aus einer Gruppenführerin im Bund Deutscher Mädchen eine Widerstandskämpferin wird?

Genau diesen Fragen geht der Theologe Robert Zoske in einem Buch über Sophie Scholl nach. „Es reut mich nichts“ lautet der Titel.

Zoske gibt einfühlsame Einblicke in das Leben und die Gedanken dieser jungen Frau.

Durch Auszüge aus Briefen und Tagebucheintragungen kann ich nachempfinden, wie sehr sie mit sich und ganz unterschiedlichen Eindrücken gerungen hat.

So darf sie eine durchaus unbeschwerte Kindheit erleben.

Doch mit der Zeit sorgen sie die Nachrichten und Hinweise über die Schrecken des Krieges immer stärker. In einer Briefkorrespondenz mit ihrem Geliebten, dem Soldaten Fritz Hartnagel, schildert er ihr das Grauen in Stalingrad.

Auch die Nachricht vom Tode eines engen Freundes der Familie und die Erschütterung darüber, tragen zu ihrem Entschluss bei, handeln zu müssen.

Tief bewegt ringt sie um ihr Verhältnis zu Gott und dass er sie festhalten und bergen möge.

Sophies Schwester Elisabeth äußert sich wenige Monate nach dem Tod ihrer Geschwister in einem Brief an eine Freundin Sophies:

Sprecherin:

„Bei Sophie waren es vor allem religiöse Gründe, sie konnte dieses Unrecht als Christ nicht mehr sehen und ruhig ihr Privatleben daneben weiterleben. Und ihr verklärtes Gesicht bei dem Besuch nach dem Urteil hat uns gezeigt, dass sie den rechten Weg gegangen ist.“ (Robert M. Zoske, Sophie Scholl, 287).

Später, bei der Vernehmung, sagt Sophie, dass der hauptsächliche Grund für ihre Abneigung gegen den Nationalsozialisten die Einschränkung der geistigen Freiheit des Menschen sei. Dies wiederspreche ihrem inneren Wesen.

Ihre letzte Antwort in der Vernehmung ist klar und deutlich:

Sprecherin:

„Ich bin nach wie vor der Meinung, das Beste getan zu haben, was ich gerade jetzt für mein Volk tun konnte. Ich bereue deshalb meine Handlungsweise nicht und will die Folgen, die mir aus meiner Handlungsweise erwachsen, auf mich nehmen.“ (Robert M. Zoske, Sophie Scholl, 348).

Ich bewundere ihren Mut.

Und ich frage mich zugleich, wie ich mich verhalten würde, wenn ich die geistige Freiheit so bedroht sehen würde. Diese Frage bleibt für mich offen.

Aber ich verneige mich am heutigen Tag vor Sophie Scholl und ihrem Zeugnis.

Ihr Peter Krawczack aus Düsseldorf

Quellenangabe:

Robert M. Zoske, Sophie Scholl: Es reut mich nichts. Porträt einer Widerständigen, Berlin 32021

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