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Kirche in WDR 5 | 11.05.2022 | 07:50 Uhr

Straßengespräche

Im letzten Jahr habe ich eine berufliche Veränderung gewagt.

Nach 18 Jahren in Köln, arbeite ich nun in meiner Heimat.

Im Maxhaus, dem Katholischen Stadthaus und Begegnungszentrum, mitten im Herzen der Düsseldorfer Altstadt.

Und hier begegne ich vielen Menschen.

Anzugträgern aus Kanzleien und Büros, Leuten mit Einkaufstüten am Carlsplatz und auch Menschen, die auf der Straße leben:

Obdachlosen, Straßenbettlern und Verkäuferinnen von Fifty-Fifty.

So heißt das Straßenmagazin der Wohnungslosen in Düsseldorf.

Fast täglich treffe ich einen Verkäufer oder Verkäuferin von Fifty-Fifty in der Altstadt.

Zwei Euro Achtzig kostet eine Ausgabe von Fifty-Fifty und davon gehen ein Euro vierzig jeweils an den Verkäufer.

„Wohnungslose von der Straße lesen“ lautet der passende und zugleich doppeldeutige Untertitel der Zeitung.

Ich bin immer wieder erstaunt, wenn ich beobachte, wie manche Passanten auf die Fifty-Fifty -Verkäufer reagieren:

sie reagieren nämlich gar nicht, grüßen nicht zurück, schütteln nur den Kopf und fühlen sich allein durch die Frage belästigt.

Nun will ich nicht so tun, als wenn mir bettelnde Menschen immer gelegen kommen.

Auch ich habe manchmal kein Kleingeld dabei oder begegne einer Verkäuferin, wenn es so gar nicht passt.

Aber ich habe auch schon andere Momente erleben dürfen.

So im April, als mich mein morgentlicher Weg von der U-Bahn-Station zu einem EC-Automaten am Carlsplatz führt.

Neben dem EC-Automaten sitzt ein Mann auf einer Decke, mit Wodkaflasche in der Hand und blinzelt in die morgendliche Sonne.

Ein schon reichlich mitgenommener Kaffeebecher steht vor ihm, bittend um eine kleine Bargeldspende.

Er schaut rüber zu mir und sagt: „Ist das nicht ein wunderbarer sonniger Tag?“

Ich bejahe dies und frage ihn: „Wie geht es Ihnen denn?“

Dies macht ihn nachdenklich, er senkt den Blick und sagt etwas zögerlich:

„Ich weiß gar nicht genau, ob ich darüber erzählen will.

Mir geht es nicht gut.“

Ich sehe, wie er mit der Fassung ringt und will mich entschuldigen, aber er winkt ab und erzählt dann:

Vor nicht allzu langer Zeit habe er die niederschmetternde Diagnose erhalten: Bauchspeicheldrüsen-Krebs im Endstadium.

Er hat nicht mehr lange zu leben.

Aber er sei zufrieden und glücklich. „Ich habe mein Leben gelebt“, so sagt er.

Nun könne er gut abtreten und die Sonne genießen, so lange es geht.

Dabei nimmt er einen tiefen Zug aus der Wodkaflache.

Ich stehe etwas hilflos da und frage mich, wie ich auf diese Erzählung reagieren kann.

Ich meine nun doch mich entschuldigen zu müssen, aber er sagte, es sei gut, dass ich gefragt habe.

Ich werfe ein paar Münzen in den Becher, wünsche ihm alles Gute und einen sonnigen Tag.

Er tippt an seine Mütze und bedankt sich bei mir.

Ich habe ihn nicht mehr getroffen seitdem.

Und weiß auch nicht, ob er bereits gestorben ist.

Als ich in der aktuellen Fifty-Fifty Ausgabe über das Schicksal einer Frau auf der Straße lese, denke ich auch an ihn dabei:

(Sprecher) „Unter der kaputten Hülle ihres Körpers und ihrer Psyche flackert ab und zu dieser andere Mensch durch. Dann lächelt sie und man bekommt eine Ahnung, wer dieser Mensch wäre, … ohne ein Leben auf der Straße.“

Ja; jede Obdachlose, jeder Straßenbettler und jede Fifty-Fifty-Verkäuferin ist ein Mensch.

Und jeder Mensch ist ein Kind Gottes.

Mein Name ist Peter Krawczack.

Ich grüße Sie aus meiner Heimat Düsseldorf und lade Sie ein:

wenn Ihnen heute jemand begegnet, dann versuchen Sie doch einmal zuerst den Menschen zu sehen.

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