Aktuelles

Beiträge auf: wdr5 

katholisch

Kirche in WDR 5 | 24.05.2022 | 06:55 Uhr

Liebe kostet

Ein kleines Mädchen hat mich vor ein paar Tagen zu Tränen gerührt. Und mir eine Lektion über meinen christlichen Glauben erteilt. Nike ist fünf Jahre alt, die Tochter einer guten Freundin und mir bisher eigentlich nur begegnet mit „Eddi“ im Arm. Eddi ist ihr Stoffbär, den sie zur Geburt als Geschenk bekommen hat und der sie seither durch ihr Leben begleitet. Besonders wichtig ist Eddi in Momenten, in denen Nike unsicher ist, Angst hat oder traurig ist. Die ersten Tage in der Kita wären ohne Eddi undenkbar gewesen, nachts im Zimmer allein schlafen kaum vorstellbar. Eddi – Beschützer, Tröster und Beistand. Vor ein paar Tagen nun stand Nike vor mir, schaut mich mit ernsten Kinderaugen an, hält mir Eddi entgegen und sagt: „Du kannst ihn nehmen. Du kannst Eddi einem Kind geben, dass ihn jetzt braucht, weil es Angst hat.“ Sie hat wohl doch mehr von dem Gespräch zwischen mir und ihrer Mutter mitbekommen, als wir dachten. In dem Gespräch ging es um zwei Mütter, die mit ihren Kindern aus der Ukraine geflohen sind, vor dem Krieg. Die Kinder werden mittlerweile in einer der Schulen unterrichtet, für die ich als Schulseelsorgerin zuständig bin. Über diese Schnittstelle ist der Kontakt entstanden. So dankbar die Familien um die Sicherheit in Deutschland sind, so verunsichert, ängstlich und eingeschüchtert sind sie auch, besonders die Kinder. Ein bisschen ratlos und planlos bin ich, schimpfe auf die mangelnden Möglichkeiten und Strukturen, zum Beispiel in der Schule, um die Kinder gut aufzufangen. Bis Nike mir zeigt, worauf es jetzt gerade ankommt: Nicht nur die Strukturen sind gefragt, sondern wir Menschen. Ich bin gefragt. Ich sollte mal ganz schnell das leben, wovon ich sonst auch in meinem Beruf als Seelsorgerin so gerne erzähle: durch aktives Handeln und Nächstenliebe Gott in dieser Welt eine Chance geben. Es wird immer deutlicher, welche Zerstörung der Krieg in der Ukraine hinterlässt, im Land und vor allem in den Seelen der Menschen. Bomben und Krieg zerstören nicht nur Gebäude. Sie zerstören auch ein Sicherheitsgefühl und das Vertrauen in Frieden und Freiheit, zumindest in Europa. Sie merken, das sage ich als Frau Mitte 30, die sich nicht mal mehr an die innerdeutsche Grenze erinnern kann. Ich bin in Frieden und Freiheit aufgewachsen. Bislang hat mich diese Freiheit nichts gekostet. Das wird jetzt anders. Im Rahmen meiner Möglichkeiten muss ich mich für Freiheit, Sicherheit und die Würde eines jeden Menschen einsetzen. Auch wenn meine Möglichkeiten noch so klein scheinen. Auch die Möglichkeiten von Nike waren begrenzt, aber sie hat sich ihr Mitgefühl und ihre Nächstenliebe was kosten lassen – ihren geliebten Stoffbären. Was kann es bei mir sein? Weniger Gas und Öl verbrauchen, Geld- und Sachspenden, Wohnraum bereitstellen, Zeit investieren im Miteinander mit den Gästen aus der Ukraine, auf Social Media Nachrichten teilen und gegen Verschwörungstheorien und Verharmlosung eintreten. Und vielleicht ist das naiv, aber ich glaube fest daran, dass durch die kleinsten Schritte der Geist Gottes weht, der will, dass wir in Freiheit, Frieden, Gerechtigkeit und Liebe miteinander leben. Ich beende so nicht den Krieg, das kann ich auch gar nicht, aber ich kann – und muss einfach - Gottes Geist der Liebe Raum geben.

Ein gutes Wochenende wünscht Sonja Stratmann aus Bocholt.

katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen