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Kirche in WDR 5 | 17.06.2022 | 06:55 Uhr

Prüfet alles!

Guten Morgen!

Abgeschickt! Ich habe es in der vorgegebenen Zeit geschafft! Ich blicke von meinem Handy auf. In den letzten Minuten habe ich mit Feuereifer einen Internet-Link an zwanzig meiner Kontakte geschickt. Das war die Voraussetzung für meinen Gewinn. Ich habe diesen Link von einer Freundin erhalten. Er versprach nach einem kleinen Spiel den Gewinn eines üppigen Präsentkorbes – gefüllt mit süßen Köstlichkeiten der Firma mit der lila Kuh. Nun musste ich den Link an zwanzig Kontakte in einer bestimmten Zeit schicken und meine Kontaktdaten eintragen – dann würde mir das süße Paket frei Haus geliefert, hieß es.

Und ich habe es geschafft!

Leider währt meine Freude nicht mal eine Minute. Einer meiner Kontakte macht mich umgehend darauf aufmerksam: Vorsicht Täuschung. Gib auf keinen Fall deine Kontaktdaten bekannt. Nicht mitmachen! Meine Vorfreude verwandelt sich schlagartig in Entsetzen – Reingefallen! Ich beginne hastig, die noch nicht abgerufenen Nachrichten zu löschen, um nicht noch andere mit in die Falle zu locken.

Während ich das tue, fällt mir der kluge Ausspruch des Apostels Paulus ein: „Prüft aber alles und das Gute behaltet.“ (Die Bibel; 1. Thessalonicher 5,21) Natürlich hatte Paulus bei diesem Rat etwas anderes vor Augen als mein aktuelles Problem. Ihm ging es um die Frage, auf welche Weise man den christlichen Glauben richtig ausübt. Die Gemeinde in Thessalonich war neu entstanden – verschiedene Glaubensvorstellungen von Menschen aus unterschiedlichen Kulturen kamen hier zusammen. Es stellte sich die Frage, wie man den christlichen Glauben nun konkret leben und ausdrücken kann. Statt sich sofort gegen andere Ausdrucksformen abzugrenzen, bleibt Paulus gelassen und gibt den Rat: „Schaut euch erst mal alles an und bleibt aufgeschlossen für Neues. Versucht zu verstehen, was mit der ein oder anderen Glaubenspraxis gemeint ist. Prüft alles. Und wenn sich etwas als gut erweist, dann behaltet es. Wenn ihr aber etwas Schlechtes erkannt habt, dann wendet euch davon ab.“ Mir gefällt diese gelassene, vorurteilsfreie Haltung des Paulus. Und dennoch ist sie nicht beliebig. Man soll prüfen - sich die Dinge genau anschauen. Das ist ein guter Rat für die Ausübung des eigenen Glaubens, das ist aber auch ein nützlicher Rat für alle Fragen des Alltags.

Etwas zu prüfen heißt aber auch, zu erkennen, was schlecht oder lebensfeindlich ist. Auch das gilt im Glaubensleben wie im Alltag. Darum ist es wichtig, sich die Zeit zum Prüfen zu nehmen.

Inzwischen habe ich fast alle versendeten Links gelöscht und ärgere mich noch immer, so überstürzt gehandelt zu haben. Hätte ich mir die Zeit zum Prüfen genommen, dann hätte ich die Täuschung erkannt. Das hätte mir Zeit und Ärger erspart.

Inzwischen habe ich weitere Rückmeldungen erhalten. Anscheinend haben sich außer mir alle die Zeit genommen, das Angebot mit dem gefälschten Gewinnspiel zu überprüfen.

Ich entschuldige mich und erhalte zum Glück verständnisvolle und aufmunternde Antworten zurück.

Auf meinem Schreibtisch steht nun fettgedruckt der Rat des Apostels Paulus:

Prüft aber alles, das Gute behaltet!


Dass wir heute mit offenem Herzen und prüfendem Blick durch den Tag gehen,

wünscht sich Ihre Johanna Krumbach, Pfarrerin in Augustdorf.



Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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