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Kirche in WDR 5 | 11.07.2022 | 06:55 Uhr

Papierschiffchen und Leuchttürme

Guten Morgen.

Sie zieht die Schwimmweste an und hilft mit: Etliche Care-Pakete und Wasservorräte liegen hier am Ufer des Mittelmeeres und warten darauf, in die Beiboote gepackt zu werden. Gleich soll es losgehen. Sie schaut auf die See – die ist noch ruhig, aber Sturm ist angesagt. Und so viele sind da draußen in seeuntauglichen Booten unterwegs. Auf der Flucht. Sie denkt: „Ich bin so vielen begegnet, die ihr Leben einer Nussschale und korrupten Schleppern anvertraut haben. Ich weiß durch sie und auch durch mein Leben, wie es sich anfühlt, in den Wellen der Überforderung zu ertrinken. Ich weiß, wie es ist, wenn ich mein Leben nicht mehr selbst steuern kann, wenn ich den Monsterwellen nicht ausweichen kann. Wenn ich die Orientierung verloren habe und ziellos umherschippere, in der Hoffnung auf ein rettendes Ufer.“

Die junge Helferin kontrolliert noch einmal den Sitz der Schwimmweste und steigt nun selbst in ein Beiboot. Bei allem, was da draußen oder auch in ihrem Leben passiert weiß sie: „Da ist ein Anker, ein Leuchtturm, ein Heimathafen. Ich gehe nicht verloren. Dieser Anker hilft mir, im Alltag oder in meinen Herausforderungen nicht zu ertrinken und mich zu orientieren. Mein Heimathafen ist der Ort, wo ich Geborgenheit und Schutz finde, wenn es mal wieder einsam und stürmisch war. Was ich aber anders als die Geflüchteten nicht weiß ist, wie sich Todesangst anfühlt. Wie es sich anfühlt, nicht zu wissen wie es weitergeht – gerettet zu werden, zu sterben oder schlimmer als das, wieder zurückgeschickt zu werden.“ Das Beiboot der Sea-Eye-4, das an diesem Tag zu Wasser gelassen wurde, rettete wieder über 100 Geflüchtete vor dem Ertrinken, Verhungern, Verdursten, vor Terror und Krieg. Viele haben mitgeholfen, dass das möglich ist. Viele haben gespendet und gebetet. Für alle Unterstützerinnen und Unterstützer ist klar: „Keinen werden wir abweisen. Man lässt keinen Menschen ertrinken. Punkt.“

„Ich weiß, es werden noch harte Zeiten kommen“, hat Jesus einmal gesagt. Er sagt das zu seinen Jüngern und lässt dabei den Blick über den See Tiberias schweifen. Dann sagt er: „Stürme des Lebens werden kommen, mit Wellengang und Wasser bis zum Hals. Zweifel, Sorgen und Ängste - viel größer als jeder Rettungsring.“ Was Jesus sich für die Menschen wünscht, das predigt er ihnen und zeigt er ihnen in seinen Wundern. Heilung. Frieden. Dass sie satt werden. Da fragt Simon Petrus ihn eines Tages: „Was denkst du gerade, Jesus? Du blickst so verträumt auf das Meer da unten.“

Jesus überlegt einen kurzen Moment und sagt: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“ Petrus ist erleichtert. Jesus ist da! Vielleicht so ein bisschen wie ein Leuchtturm, ein Anker, eine Boje oder vielleicht ja sogar das rettende Beiboot. „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“ Ein Versprechen, das bis heute und für immer gilt: Egal, was mich bewegt, was mich aufbrausen lässt, was mich die Orientierung verlieren lässt, mich an mir oder anderen zweifeln lässt, es bleibt dieses Versprechen: Ich werde dich nicht abweisen. Punkt! Und vielleicht kann ich es ja dann wagen, beherzte Taten und Zeichen zu riskieren: Ungerechtigkeit und Hassgeschrei entgegenzutreten. Mehr dafür tun, dass Menschenleben gerettet werden. Und vielleicht kann ich es mit Jesus als Anker wagen, die Stimme zu erheben für die, die keine Stimme mehr haben und einfach mal mutig sein.


(Ende WDR 4, Verabschiedung für WDR 3 und WDR 5:)

Es grüßt Sie, Pfarrerin Veronika Grüber aus Bad Salzuflen.




Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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