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Kirche in WDR 5 | 01.08.2022 | 06:55 Uhr

Jeder Mensch

Vor Ostern war ich das erste Mal seit Corona wieder im Irak und in Nordsyrien. Von Woche zu Woche ist in den Monaten vor der Reise bei mir die Sehnsucht gewachsen, die Freundinnen und Freunde wiederzusehen, die dort so wunderbare humanitäre Arbeit leisten. Und zugleich war da – wie jedes Mal – die Ungewissheit, was unsere Reisegruppe an Herausforderungen erwartet.

Auf das, was Dich in einem Kriegsgebiet erwartet, kannst Du Dich nicht vorbereiten und trotz langjähriger Erfahrung trifft es mich bei jeder Reise wieder wie ein Schlag in die Magengrube. Ich spüre körperlich, dass mir hier jede Sicherheit genommen ist, die ich aus Deutschland gewohnt bin. Das Leben kann von einem Moment auf den anderen vorbei sein – ein Drohnenbeschuss, eine in der Nacht auf der Straße platzierte Mine, ein Selbstmordattentäter, ein Entführungsversuch oder eine verirrte Kugel im Kampf der vielen rivalisierenden bewaffneten Gruppen und man wird zum Kollateralschaden. Es gibt keine Zukunft mehr, keinen neuen Tag, keine Siege und Niederlagen, kein zweites Leben wie beim Videospiel und keine neue Chance – aus und vorbei, tot.

Was ich dort für einige Wochen erlebe, damit müssen die Menschen in dieser und vielen anderen Krisenregionen dieser Welt jeden Tag ihres Lebens klarkommen. Sie erfahren sich als Schachfiguren auf dem Spielfeld der Mächtigen, von dem sie in jeder Sekunde weggefegt werden können, weil sie dem nächsten Schachzug im Wege stehen.

Viel mehr als in meiner europäischen Sicherheitsblase spüre ich dort, wie bedeutsam das Menschenbild ist, das das Evangelium mir nahebringt. Wie Jesus jedem Menschen begegnet, ist der genaue Gegenentwurf zu dem, was ich in den Kriegsgebieten erlebe. Aus der Zuwendung Jesu zum blinden Bettler genauso wie zum Gelähmten auf der Trage oder dem Vergessenen am Teich kommt mir eine Sicht auf den Menschen entgegen, die ganz anders ist als die der Warlords und Kriegsgewinnler. Jedes menschliche Leben, das zeigt mir Jesus immer wieder, ist ein unfassbar wertvolles Geschenk. Jeder Mensch verdient Liebe, Zuwendung und Schutz - und er darf deshalb eines nie werden: Mittel zum Zweck.

Dass dies endlich in der Welt Wirklichkeit wird, ist das ein frommer und weltfremder Wunsch?

Wenn wir die Antwort darauf den mächtigen Schachspielern dieser Welt überlassen – dann ja. Wenn Sie und ich aber selbst damit anfangen – dann nein. Denn auch das nehme ich aus meinen Einsätzen als prägende Erfahrung mit: Es gibt dort Frauen und Männer, die den Vergessenen, den Fliehenden und Entrechteten ihre Würde und ihr Menschsein ein Stück zurückgeben – indem sie an ihrer Seite bleiben, sich ihnen zuwenden und ihnen zeigen, dass sie es wert sind, alles nur Denkbare für sie zu tun. Aus Schachfiguren, aus Geflüchteten und Kriegsopfern werden wieder Menschen – werden wieder Väter und Mütter, Schwestern und Brüder, Töchter und Söhne.

Und davon bin ich fest überzeugt – dass es Ihnen und mir an diesem Tag gelingen kann, das Gleiche zu tun! Wagen Sie den Blick und wagen Sie die Zuwendung, zu der Jesus uns einlädt!

Aus Steinfurt grüßt Sie herzlich

Ihr

Jochen Reidegeld

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