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Kirche in WDR 5 | 16.09.2022 | 06:55 Uhr

Freiheit

Guten Morgen,

Es ist zwei Jahre vor dem Mauerfall im September 1987: Marius Müller-Westernhagen veröffentlich eines seiner wohl bekanntesten Lieder: Freiheit. Er singt: Freiheit ist das einzige was zählt. Ich weiß zwar nicht, ob das Lied in der DDR damals gehört wurde, aber für die beiden Familien Strelzyk und Wetzel war heute vor 43 Jahren die Freiheit so wichtig, dass sie in einem selbstgefertigten Heißluftballon über die damalige deutsch-deutsche Grenze geflohen sind. In den Akten der Stasi liest sich das Ganze so:

Sprecher:Am 16.09.1979 (erfolgte) gegen 2.54 Uhr ein Grenzdurchbruch mittels Heißluftballon im Kreis Lobenstein durch zwei Familie aus Pößneck. Im Rahmen der Untersuchungen des Vorkommnisses konnte der Nachweis erbracht werden, dass dieses Vorhaben des ungesetzlichen Verlassens der DDR langfristig geplant und vorbereitet war.“

Mehrere Filme haben dieses Ereignis nachträglich sogar inszeniert und ich habe sie gesehen.

Ich muss sagen, ich bewundere den Mut und die Entschiedenheit, die diese beiden Familien hatten. Oft habe ich selbst überlegt, ob ich so etwas mit meinen Kindern gewagt hätte und ich muss wohl sagen: Nein, ich hätte gezögert, hätte Angst gehabt.

Die Motivation, warum beide Familien das taten, hat Peter Wetzel so zusammengefasst:

Sprecher:Wesentliche Gründe waren, dass es nicht möglich war, öffentlich oder auch in kleinem Kreis seine Meinung zu äußern, da man nicht sicher sein konnte, ob nicht ein oder sogar mehrere Beteiligte Spitzel waren.“[1]

Was muss das für ein Lebensgefühl gewesen sein, wenn ich dem Nächsten nicht trauen kann? Wenn ich jedes Wort auf die Goldwaage legen muss und nicht sicher sein kann, ob eine nicht gefällige Äußerung für mich schlimmste Konsequenzen bedeutet?

Ideologische Systeme, wie die DDR, verachten die Freiheit. Dabei ist Freiheit ein hohes Gut, ganz im Sinne von Marius Müller-Westernhagen: Freiheit, ist das einzige, was zählt. Dabei hat Freiheit aber auch ihre Grenzen: Dann nämlich, wenn das Ausleben meiner Freiheit, die Freiheit anderer Menschen einschränkt. Daher die goldene Regel: „Was Du nicht willst, was man dir tut, das füg auch keinem anderen zu.“ Das Neue Testament hat es so formuliert (Mt 7,12): „Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen!“ Nach christlichem Menschenbild hat

Gott dem Menschen nämlich eine solche Freiheit geschenkt, mit Rücksicht zu handeln.

Denn wenn ich mein Gegenüber ernst nehme, dann akzeptiere ich seine Freiheit. Dazu gehört, dass ich manchmal auch Dinge aushalten muss, die mir nicht passen, und ertrage, dass Menschen Positionen von sich geben, die den meinen diametral entgegenstehen. Das ist der Preis der Freiheit. Ich möchte mir das bewusst machen, wenn ich in Diskussionen den Impuls verspüre, einfach auf den Tisch hauen zu können und „Schluss jetzt“ zu rufen, oder auch dann, wenn ich Menschen verurteile, wenn Sie anders handeln und denken als ich es täte.

Es gibt die Freiheit, Gott sei Dank.

Aus Gladbeck grüßt Sie Meike Wagener-Esser

[1] Quelle: Welt, 25.09.18, Ballonflucht aus der DDR: So dramatisch war die Flucht wirklich.

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