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Kirche in WDR 5 | 17.01.2023 | 06:55 Uhr

Ohrenreise nach Nazareth und Umgebung

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. In Bezug auf Jesus von Nazareth konnte ich das wörtlich nehmen, als ich im Dezember in seiner Heimatstadt war und einen Parkplatz suchte. Denn der, den ich fand, liegt am Rande der Altstadt unterhalb eines Felsvorsprungs. Der Tradition nach wollten die Einheimischen Jesus von diesem Felsvorsprung herunterstoßen – steht im Lukasevangelium. (Lk 4,29) So ist das mit den sprichwörtlichen „Propheten in der eigenen Stadt“.

Wobei „Stadt“ in Bezug auf Nazareth übertrieben wäre. Aber dazu gleich mehr. Fakt ist, Jesus wurde nicht heruntergestoßen. Der Meister ist nicht vom Himmel gefallen. Auch nicht im übertragenen Sinne.

Rund 30 Jahre lebte Jesus ganz normal in Nazareth. Er lernt das Handwerk von seinem Ziehvater, von Josef, dem Zimmermann. Und hier lohnt es sich, einmal genauer auf die Umstände in seiner Heimat zu schauen. Und noch lohnenswerter wird es, wenn man seine Heimat in ein geografisches Dreieck setzt aus den Orten Nazareth, Kana und Sepphoris. Zwei Ortsnamen sind Bibellesenden bekannt, einer nicht. Aber gerade auf den Ort, den die Bibel nicht nennt, kommt es an, um quasi den Anfang von Jesu Wirken noch mal neu einzuordnen.

„Was kann aus Nazareth schon Gutes kommen?“ (Joh 1.46) – die Frage im Johannesevangelium ist nicht unberechtigt. Denn: Nazareth war ein Kaff. Die Archäologen sagen: Da wohnten 200 Menschen zurzeit Jesu, meist in Höhlen. Und dass Nazareth so klein war, fällt besonders ins Gewicht, wenn man auf die Nachbarstadt schaut, nur sieben Kilometer entfernt. Sepphoris hieß die. Und über diese Stadt schweigt die Bibel. Komisch… Denn: Hier bekam ein Zimmermann wie Jesus seine Jobs. Sepphoris boomte: Ausgerechnet der römische Feldherr Varus, der dann in Germanien bekanntlich grandios scheiterte, hatte Sephoris kurz vor Jesu Geburt nach einer jüdischen Revolte zerstört. Dann wurde Sepphoris wieder aufgebaut. Prächtiger und schöner als je zuvor. Und sagen wir es mal so: Ein Zimmermann aus Nazareth wäre schön blöd gewesen, wenn er keine Aufträge in Sepphoris angenommen hätte.

Seit 1950 wird das antike Sepphoris ausgegraben. Mit Theater, Prachtstraßen und allem Zip und Zap. Und zu den bemerkenswertesten Funden gehört die sogenannte „Mona Lisa von Galiläa“. Sie ist Teil eines Fußbodenmosaikes und das zählt zu den schönsten antiken Mosaiken. Die lächelnde Frau, die mit Mona Lisa verglichen wird, hat mich ehrlich gesagt nicht so sehr gefesselt wie eine Szene, die nebenan dargestellt ist. Denn die zeigt den griechischen Gott Dioynsos. Und den nannte sein Göttervater Zeus laut Legende „meinen eingeborenen Sohn“ [3]. Kommt Ihnen die Formulierung bekannt vor? So nennen Christen Jesus im Credo, im Glaubensbekenntnis. Und noch etwas fällt auf: Dionysos ist der Gott des Weines – ein sinnenfreudiger Gott. Das Mosaik in Sepphoris zeigt Dionysos in einem Saufgelage mit Herkules. Letzterer wird schließlich völlig betrunken weggeschleppt[4].

Und hier kommt der dritte Ort ins Spiel. – Sie erinnern sich an das Dreieck von dem ich sprach: Nazareth, Sepphoris und – Kana. Richtig. Die Stadt, in der Jesus laut Johannesevangelium sein erstes Wunder gewirkt hat (Joh 2,1-11) – auch sieben Kilometer entfernt von Nazareth – nur in eine andere Richtung als Sepphoris. Die berühmte „Hochzeit zu Kana“ war vielleicht kein Saufgelage[5]. Aber: Jesus hat dafür gesorgt, dass auf der Hochzeit der Wein nicht ausging. Sie wissen schon: Wasser zu Wein. Später musste er sich wohl Vorwürfe anhören lassen. Im Matthäusevangelium heißt es: „Der Menschensohn ist gekommen, er isst und trinkt und sie sagen: Siehe, ein Fresser und Säufer“ (Mt 11,19).

Ich finde es äußerst sympathisch, dass die Evangelien keinen weltfernen Asketen verkünden, sondern einen, der von sich gesagt hat „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“ (Joh 10,10). Ob sich Jesus da etwas von dem griechischen Dionysos abgeguckt hat oder nicht, das ist mir egal. Mir hilft der Vergleich aber, die Lebensfreude, die in seiner Botschaft steckt, etwas mehr herauszuschmecken, wie die Geschmacksnoten eines guten Weines. Lassen Sie sich diesen Tag schmecken – vielleicht hören wir uns morgen wieder,


Ihr Klaus Nelißen aus Köln.


[3] https://www.lyrik-klinge.de/jesus-dionysos/ Ausführlicher: https://www.ewigeweisheit.de/die-mysterien-von-eleusis-und-das-urchristentum

[4] https://spuren.hypotheses.org/445

[5] In Sepphoris gibt es auch ein Mosaik, auf dem ein Weingelage mit Krügen dargestellt wird: https://vici.org/vici/26459/

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