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Kirche in WDR 5 | 18.01.2023 | 06:55 Uhr

Ohrenreise nach Kafarnaum und an die Grenzen

Selten wurde ich am Flughafen derart gefilzt, wie auf meiner Reise ins Heilige Land, Mitte Dezember. „Why do you want to come to Israel?“, fragte mich der israelische Sicherheitsbeamte barsch. Als meinte er: „Warum kommen sie überhaupt zu uns? Warum fahren Sie nicht woanders hin?“

Nun, wer auf den Spuren Jesu wandeln will, der muss in seine Heimat reisen, nach Israel. Da kann so eine „Grenzerfahrung“ passieren und irgendwie finde ich, damit beginnt schon die Pilgerreise. Denn: Im Europa mit Reisefreiheit wissen wir meist gar nicht mehr, wie wichtig Grenzen früher waren. Und was es auch bedeutete, Grenzgänger zu sein.

Jesus war auch ein Grenzgänger. Davon erzählen die Evangelien. Und wer nach Israel fährt, dem empfehle ich, sich noch mal eine Karte der Grenzverläufe der damaligen Zeit anzuschauen. Denn dann wird klarer: Jesus lässt sich bewusst an einem bedeutenden Grenzort nieder. Kafarnaum war die Stadt, die er sich ausgewählt hatte für sein Wirken. Kafarnaum am See Genezareth war eine jüdische Stadt, klar. Dafür steht die Synagoge, deren Grundmauern man heute noch sehen kann. Der Evangelist Markus beschreibt quasi als erste Amtshandlung von Jesus, wie er in die Synagoge von Kafarnaum geht, und dort predigt. Und Jesus muss wohl auch lange Zeit für sich klar gehabt haben: Ich gehe in die Synagogen „and that’s it“. Sprich: Ich bin nur zu den Juden gesandt. Denn das war im Judentum klar: Wir missionieren keine anderen, wir halten uns schön auf Abstand von den Andersgläubigen, den Heiden. „Du sollst um deine Tora einen Zaun ziehen“ heißt es im Judentum[6].

Aber dann beginnt Jesus doch, auch jenseits des jüdischen Territoriums am See Genezareth zu predigen. Er geht „über den Jordan“ und damit in die heidnischen Gebiete. Und eigentlich sucht er dort die Juden auf, die da leben und predigt zu ihnen. Aber dann passiert etwas, das ist außergewöhnlich. Ausgerechnet eine Frau erteilt Jesus eine gehörige Lektion. Die Frau muss von der syrischen Küste her gestammt haben. Sie war keine Jüdin. Aber sie wünschte sich von ihm Heilung. Und Jesus gibt ihr eine ziemliche „Why do you want to come to Israel“-Antwort: „Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen Israels“ (Mt 15,24).

Die Frau aber lässt das nicht auf sich sitzen. Und gibt Widerworte, die packen Jesus am Schlaffitchen: Wenn doch die Hunde auch was von den Essensbrocken bekommen, die vom Tisch fallen – warum bist Du so kleinlich in Deiner Mission, fragt sie Jesus sinngemäß.

Jesus ist sichtlich angefasst von dieser Antwort; nahezu perplex. Und er sagt (Mt 15,28): „Frau, dein Glaube ist groß. Es soll dir geschehen, wie Du willst.“ Diese heidnische Frau, die Syro-Phönizierin, hat Jesus eine Lektion erteilt. Der Priester und Bibelwissenschaftler Wilhelm Bruners hat dazu ein Buch verfasst, das ich nur empfehlen kann: „Wie Jesus glauben lernte“, heißt das[7]. Jesus ist eben kein Meister, der vom Himmel gefallen ist. Er war kein Gottessohn, dem man nichts sagen konnte. Jesus hat in seinem Wirken gewisse Lernkurven gehabt und von Fremden dazugelernt. So gesehen, war Jesus ein Grenzgänger.

Am Ende seines Lebens spricht er im Jerusalemer Tempel und da sagt er (Mk 11,17): „Mein Haus soll eine Haus des Gebets für alle Völker sein.“ Das ist mehr als der Zaun um die Tora – das ist eine Vision für die ganze Menschheit.

„Why do you want to come to Israel?” Weil von diesem Jesus, der sich in Israel vom Glauben auch der Anderen hat beeindrucken lassen, eine Bewegung ausgegangen ist, die bis heute Menschen weltweit berührt. Weil es Sinn macht, zu wissen: die Lehre dieses Jesus hatte einen konkreten Ort. Ein Umfeld. Aber seine Lehre war am Ende nicht mehr darauf angelegt, dort zu bleiben, sondern in die Welt hineinzuwirken. Auch bis nach Köln, von wo ich Sie heute herzlich grüße.


Ihr Klaus Nelißen


[6] https://www.talmud.de/tlmd/mischnah-awot-kapitel-1/

[7] https://www.herder.de/religion-spiritualitaet/shop/p3/45448-wie-jesus-glauben-lernte-kartonierte-ausgabe/

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