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Kirche in WDR 5 | 23.01.2023 | 06:55 Uhr

Ein schlechter Handwerker

Guten Morgen.

Wenn Jesus zu seinen Lebzeiten gefragt worden ist, „wie ist das mit Gott“, „wie ist das mit dem Himmel?“, „wie sollen wir uns Gerechtigkeit vorstellen?“, dann hat er mit kleinen Geschichten aus dem Alltag seiner Zuhörer geantwortet.
Dabei vergleicht er zum Beispiel das Himmelreich mit einem Schatz, den ein Bauer findet. Oder er erzählt von der Hausfrau, die eine Perle verloren hat, vom Vater und seinen Kindern und so weiter. Geschichten, die die Leute verstehen können, weil sie aus ihrem Alltag sind. Das nennt man die Gleichnisse.

Jesus selber ist vermutlich Bauhandwerker gewesen, jedenfalls war das sein Vater Joseph. Und höchst wahrscheinlich hat Jesus, wie es damals üblich gewesen ist, bei seinem Vater gelernt. Und nun ist es auffällig, wie wenig Gleichnisse Jesus aus dem Bauhandwerk erzählt. Läge das nicht nahe, öfter aus seinem eigenen Fachgebiet zu erzählen?

Vielleicht will Jesus einfach die Welt der Zuhörer aufgreifen und nicht seine eigene. Kann sein. Aber ich persönlich liebe folgende Theorie.

Folgen Sie mir dazu auf eine Baustelle, auf der Joseph mit dem 12-jährigen Jesus arbeitet. Joseph hämmert, schleift, schleppt Steine, und Jesus läuft neben ihm her und fragt ihm Löcher in den Bauch. Spricht über Gott, über den Himmel, entwickelt Theorien und sagt: „Was meinst Du, Vater?" Und Joseph sagt: „Junge guck hin, was du machst! Konzentrier dich jetzt auf die Arbeit“. Aber Jesus kann nicht. Er ist woanders.

Und abends sagt Joseph zu Maria: „Der hat wirklich zwei linke Hände, unser Sohn. Ein guter Bauhandwerker wird der nie und nimmer.“

Und Maria sagt: „Wundert dich das? Der Junge hat den göttlichen Funken in sich, das wissen wir doch vom ersten Tag an. Der muss was anderes machen.“

Und eines Tages kommt Jesus und sagt: „Lasst mich gehen. In die Wüste, nach Jerusalem, ich muss meine Bestimmung finden.“

Und sie lassen ihn gehen. Und viele Jahre bleibt er weg. Meditiert in der Wüste, hört anderen Theologen zu, lernt und findet seinen eigenen Stil.

Nach vielen Jahren kommt er nach Nazareth zurück. Er hat seinen Weg gefunden. Er geht von Dorf zu Dorf und sucht die Leute in ihrem Alltag auf. Und predigt auch so: mit Gleichnissen aus ihrem Alltag

Und er sieht Joseph in der Menge stehen und ihm zuliebe erzählt er: „Wer sein Vertrauen nicht auf Gott, sondern auf andere Dinge setzt, der gleicht einem Handwerker, der ein Haus auf Sand baut. Als der Sturm kommt, fällt es um.“

Und Joseph denkt: „Deine Häuser ganz bestimmt!“

Und Jesus denkt: „Die Beispiele aus dem Bauhandwerk lass ich mal lieber weg.“

Viele sagen: Jesus war ein guter Mensch und ein weiser Lehrer. Für mich ist er Gottes Sohn und ein genialer Vermittler der Liebe Gottes auf Erden – nicht nur durch seine guten Geschichten.

Und: Er war vermutlich ein richtig schlechter Handwerker.

Das macht ihn doch erst so richtig menschlich und sympathisch, oder?


Einen guten Tag wünscht Ihnen, Pfarrer Klaus Künhaupt aus Essen.



Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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