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Kirche in WDR 5 | 18.02.2023 | 06:55 Uhr

Wozu sind wir auf Erden?

Als ich vor einigen Jahren an Karneval die Festhalle in Waldbröl nach meiner Büttenrede verließ, hing unter den Scheibenwischern der parkenden Autos ein Gruß der dortigen freikirchlichen Gemeinde mit folgendem Text: „Karneval ist der direkte Weg in die Hölle!“ Als ob bei jeder Karnevalssitzung nur gesündigt würde!

Ich will das jetzt nicht bloß an der Haltung der freikirchlichen Gemeinde festmachen. Denn auch ich lernte als Kind, streng katholisch erzogen und wie selbstverständlich die ersten Zeilen des katholischen Katechismus auswendig: „Wozu sind wir auf Erden?“ Antwort: „Um Gott zu dienen, und in den Himmel zu kommen.“ Was folgte war und ist eine nichtendend wollende Aufzählung von Geboten. Ich muss genauer sagen: eine lange Liste vor allem von Verboten. Angeblich notwendig, um dieses Ziel nicht zu verfehlen. Gut – oder auch nicht gut, denn das ist jetzt schon 60 Jahre her. Der neue Katechismus ist da zwar moderater, aber im Kern doch gleich geblieben. Ich habe mich seit langem gefragt: Ist Religion denn etwa nur Moral? Geht es nur um „Du sollst!“ „Du musst!“ „Du darfst nicht!“ Oder geht es nicht um viel mehr? Der ultrakonservative und gleichzeitig ultraliberale, kolumbianische Aphoristiker Davila hat mich auf eine Spur gebracht, denn er hat einmal gesagt: „In den Händen vieler Kleriker verkommen die Evangelien zu einer Sammlung ethischer Apelle.“[1]

Ich glaube, er hat recht: Denn die Lehre Jesu ist doch eigentlich so einfach. In seinen Abschiedsreden gibt Jesus keinen Katechismusunterricht und schon gar nicht einen umfänglichen Moralkodex heraus, sondern er sagt schlicht und ergreifend: „EIN (!) Gebot gebe ich Euch: Liebet einander!“ PUNKT. Ich habe lange gebraucht bis ich verstanden habe, dass das innerste Wesen aller gesunden Religiosität nicht Moral ist, sondern: Trost. Mein Gewährsmann dafür ist Saulus aus dem Neuen Testament. Er musste erst vom Pferd und in ein dreitägiges Koma fallen, um zu dieser Erkenntnis zu gelangen. Und damit wurde er vom Saulus zum Paulus, indem er die Einsicht erlangte, dass wir in Christus von dem Joch der Gebote befreit sind und einzig und allein der Liebe und nichts als der Liebe verpflichtet sind.

Ich komme noch einmal zurück auf die erste Frage in meinem Kinderkatechismus: „Wozu sind wir auf Erden?“ Ich will mit einem ganz Großen der Religionsgeschichte darauf antworten, mit ROMANO GUARDINI. Guardini sagt sinngemäß: „Letztlich sind wir nur aus einem Grund auf der Welt: Dass Einer dem Anderen so viel Freude wie möglich bereitet.“ Welch eine Weite, welch eine Freiheit! Ja, das ist mein Glaube: Religion ist das Gegenteil von Enge und Angst. Religion ist Weite und Freiheit – einzig und allein verpflichtet der unschuldigen, wehrlosen und unbedingten Liebe. PUNKT.

Sagt Willibert Pauels aus Wipperfürth.



[1] Vgl.: Dávila, Nicolás Gómez und Mosebach, Martin (Hg.), Das Leben ist die Guillotine der Wahrheiten: Ausgewählte Sprengsätze. Herausgegeben und mit einem Essay von Martin Mosebach. Aus dem Spanischen von Thomas Knefeli, Günter Maschke, Michaela Meßner und Günther Rudolf Sigl. Die Andere Bibliothek. Eichborn Verlag 2006.

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