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Kirche in WDR 5 | 08.04.2023 | 06:55 Uhr

(Hinabgestiegen in das) Reich des Todes

Guten Morgen!

„Seine Hände sind schwarz und abgearbeitet, das Schmieröl hat sich in die Haut gefressen und sitzt unter den Nägeln. Menschen mit solchen Händen wissen eigentlich zu arbeiten und tun es auch gern. Was sie arbeiten, ist eine andere Sache. Klein, still und besorgt steht er da und erzählt von der Situation an der Front, von seiner Brigade, von der Technik, mit der er – der Fahrer einer Einheit – unterwegs ist. Plötzlich fasst er sich ein Herz und sagt: `Ihr seid doch Freiwillige`, sagt er, `kauft uns einen Kühlschrank.` `Was willst du denn an der Front mit einem Kühlschrank?`“ (1)


So beginnt der ukrainische Schriftsteller Serhij Zhadan seine Dankesrede, als er im Herbst 2022 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhält. Der Mann, von dem er erzählt, bleibt ohne Namen. Täglich steigt er in die Hölle hinab. Deshalb will ich heute, am Karsamstag – während die Glocken schweigen, die Osterkerze gelöscht und die Bibel zugeschlagen ist – über diesen Mann sprechen.


Wofür braucht er einen Kühlschrank? Er braucht ihn, um die Gefallenen abzutransportieren. Das ist seine tägliche Arbeit.

„Wir finden Leichen“, erzählt er, „die schon länger als einen Monat in der Sonne gelegen haben. Wir schaffen sie mit einem Kleinbus weg, da kriegst du keine Luft mehr.“


Zhadan berichtet, wie sie eine Woche später tatsächlich einen Kühlwagen nach Charkiw bringen und der Einheit übergeben. „Dieses Mal“, sagt Zhadan, „trägt unser Bekannter eine Waffe und saubere Kleidung. Die Hände sind – wenn man genauer hinsieht – so schwarz wie zuvor, die tagtägliche schwere Arbeit, das sieht man den Händen am meisten an.“


Christen bekennen: „Ich glaube an Jesus Christus, hinabgestiegen in das Reich des Todes.“ „Niedergefahren zur Hölle“, so wurde es früher noch drastischer formuliert. Wer nicht weiß, wo das sein soll, die Hölle, das Reich des Todes, der höre Zhadan zu.

Krieg ist die Hölle.


Der Dichter Dante schreibt in seiner „Göttlichen Komödie“: Über dem Tor zur Hölle stehen die Sätze: „Lasst, die ihr eintretet, alle Hoffnung fahren! Durch mich geht man hinein zum ewigen Schmerze. Durch mich geht man zu dem verlornen Volke.“


Wie sich das anfühlt, kann man an den schwarzen Händen und den unpoetischen Worten des kleinen Mannes ablesen, der die Toten vom Schlachtfeld sammelt, um sie zur letzten Ruhe zu bringen.

Ich muss an die Bilder von der Höllenfahrt Christi denken. Eine zentrale Ikone der Ostkirche zeigt, wie Christus Adam und Eva bei ihren schlaffen, ausgestreckten Armen fasst und sie mit Macht herausreißt aus dem Inferno. Wäre ich Künstlerin, vielleicht würde ich ein Bild malen, auf dem Christus ölverschmierte Hände hat.


Manchmal , so scheint es, will der Karsamstag überhaupt nicht enden. Aber es wird der Tag kommen, an dem die Ostersonne aufgeht.


Einen gesegneten Tag wünscht Ihnen Annette Kurschus aus Bielefeld.


(1) https://www.laender-analysen.de/ukraine-analysen/274/dankesrede-von-serhij-zhadan-zur-verleihung-des-friedenspreises-2022/ (letzter Abruf 20.03.2023)



Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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