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Kirche in WDR 5 | 26.04.2023 | 06:55 Uhr

Tschernobyl

Einen guten Mittwochmorgen! Das Kalenderblatt, zeigt in dieser Woche noch eine großartige Aufnahme, aufgenommen von einem Hoteldach mit einem Himmel, der weit und offen ist. Der Fotograf Tom van Dutch hat das Hotel Pollisya im Februar 2019 besucht. Wenn man nur das Farbenspiel des Himmels betrachtet, ist es ein Bild, das mit den letzten, goldenen Sonnenstrahlen über den Dächern der Stadt von einem klaren, kalten Tag träumen lässt. Wenn da nicht der Ort wäre, von wo aus das Foto gemacht wurde: Die Stadt Prypjat in der Ukraine ist seit bald 40 Jahren eine Geisterstadt. Und im Hotel Pollisya hat seit 1986 niemand mehr übernachtet. Tschernobyl ist vom Hoteldach aus zu sehen. Die Liquidatoren zur Überwachung der Arbeiten vor Ort waren die letzten Gäste in den heute runtergekommenen Zimmern.

Um 1.23 Uhr heute vor 37 Jahren explodierte Block 4 des Atomreaktors in Tschernobyl und veränderte damit die Welt. Er veränderte das Vertrauen in eine angeblich saubere und sichere Energie der Zukunft. Er veränderte das Vertrauen in die Reinheit und Gesundheit der Natur. Er veränderte das Vertrauen in die Wahrheit von politischen Persönlichkeiten und Aussagen.

Nur ganz zaghaft und zögerlich kamen Informationen an die Öffentlichkeit. Erinnern Sie sich noch daran? Nun war NRW wohl nicht so sehr betroffen, wie der Süden oder der Norden der Republik, aber dass wir auf frisches Gemüse verzichtet und Regen nach Möglichkeit vermieden haben, daran erinnere ich mich schon. „Redlichkeit und Realismus“ mahnte der damalige Bundeskanzler Helmuth Kohl im Bonner Bundestag fast 20 Tage nach der Explosion an. Die „menschlichen Urängste“ dürften nicht weiter durch das „Schüren einer Katastrophenstimmung“ angefeuert werden. Jod-Tabletten waren zu dem Zeitpunkt in den meisten Apotheken jedoch schon ausverkauft.

Was sind die „Urängste der Menschen“? Natürlich: Tod, Leid, Schmerz, Einsamkeit. Und wie sind sie in den Griff zu bekommen? Vielleicht so: Leg in den Schrecken einen Sinn! Gib dem Grauen Würde! Der Fotograf Tom van Dutch hat das gemacht, denke ich, wenn ich mir das Kalenderblatt für den kommenden Monat anschaue. Zu sehen ist der Konzertsaal der Musikschule von Prypjat. Ein völlig zerstörter Flügel steht dort auf dem, was früher die Bühne war. Nur noch zu erahnen sind die Reihen, in denen einst das Publikum saß, vielleicht bei einem Klavierkonzert mit Werken von Tschaikowsky oder Rachmaninoff. Wie kann man aus solch einem Anblick einen Kunstkalender gestallten? Absurd? Nein, denn durch all die Zerstörung und den Verfall höre ich aus diesem Bild heraus die großartige Musik. Ich sehe in meinem Kopf die leuchtenden Augen der Menschen, die den längst vergangenen Moment genießen. Der Blick des Fotografen gibt dem Ort und den Menschen nachträglich etwas ihrer Würde zurück. Die Kunst besteht darin, das einzufangen, was über das eigentliche Bild hinausgeht. Ähnliches spüre ich, wenn ich an die biblischen Osterberichte von vor ein paar Tagen denke. Jesus hat im Angesicht der bevorstehenden Katastrophe, nur wenige Stunden vor seinem Tod, mit seinen Freunden ein Fest gefeiert. Absurd? Nein, denn er gibt ihnen in diesem Tun schon im Voraus einen neuen Sinn, eine neue Sicht auf die Welt, eine neue Würde für ihr Leben – und ich glaube, auch für mein Leben. Er lässt sie nicht als Überbleibsel des Untergangs zurück, sondern als Wegbereiter einer neuen Hoffnung.

Vielleicht ist dieser Mittwochmorgen genau der richtige Zeitpunkt, einen neuen Blick zu finden, eine neue Sichtweise auf diese Zeit und diese Welt mit all ihren Verletzungen und Katastrophen. Ich bin Martin Kürble und wünsche ihnen aus Düsseldorf heute einen Tag mit viel Weitblick für das, was hinter dem Offensichtlichen steckt. Bleiben Sie behütet.

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