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Kirche in WDR 5 | 20.06.2023 | 06:55 Uhr

Weltflüchtlingstag

Guten Morgen!

Zu Hause hing bei uns im Treppenhaus ein Stammbaum. Als Kind habe ich immer wieder davorgestanden und bin den einzelnen Ästen gefolgt, zurück über meinen Vater, meinen Opa, den Uropa – und so weiter. Immerhin, der Stammbaum reicht 300 Jahre zurück. Der Stammhalter war ein gewisser Peter Reichling. Er kam aus der Schweiz und ließ sich im Sauerland nieder. Noch heute wohnen dort Verwandte. Ich selbst bin aber nicht im Sauerland geboren. Denn mein Opa war schon vor etwa 100 Jahren ins Ruhrgebiet gezogen; nach Duisburg. Er war Anstreichermeister und hat dann in Duisburg einen eigenen Betrieb aufgemacht. So sind auch mein Vater und seine Geschwister und schließlich auch ich und meine beiden Geschwister waschechte Duisburger – nun ja, mit schweizer-sauerländer Wurzeln.

Andere Äste des Stammbaums zeigen Verwandte, die wie mein Opa auch ins Ruhrgebiet gezogen sind, nach Bochum zum Beispiel; wahrscheinlich aus denselben Gründen: Im Ruhrgebiet gab es damals Arbeit. Einzelne Verwandte hat es auch nach Spanien und Amerika gezogen: So deute ich Hinweise auf dem Stammbaum, der früher bei uns daheim hing. Bis heute finde ich sehr beachtlich, wie weit verzweigt meine Familie ist, quasi weltumgreifend – auch wenn ich die allermeisten meiner Verwandten ja gar nicht persönlich kenne. Und ich finde beachtlich, wie viele Vorfahren weggezogen und umgezogen sind, iIhre Heimat verlassen haben, um sich woanders anzusiedeln.

Was aus dem Stammbaum allerdings nicht hervorgeht, ist die Frage, warum die Verwandten weggezogen sind: War es Abenteuerlust oder der Liebe wegen? Ob die Not so groß war, weil es zu Hause keine Arbeit gab? Lockte woanders der wirtschaftliche Erfolg? Gab es Reichlings die fliehen mussten wegen ihrer Religion oder aus politischen Gründen? Ich weiß das alles nicht, aber wegzuziehen, gar auszuwandern gehört zur Geschichte nicht nur meiner Familie, sondern vieler Menschen durch die Jahrhunderte. Fatal ist es, wenn Menschen gezwungen werden, ihre Heimat zu verlassen. Aktuell sind es mehr als 100 Millionen Menschen, die auf der Flucht sind, zum Teil im eigenen Land, zum Teil über Ländergrenzen hinweg. Das habe ich gelesen, weil heute Weltflüchtlingstag ist. Vor 20 Jahren haben die Vereinten Nationen diesen Tag ausgerufen, um an diese Menschen zu erinnern.[1] Dabei gab es – allerdings am 19. Januar – bereits im Jahr 1914 einen kirchlichen Welttag für Flüchtlinge und Migranten. Und das zeigt einmal mehr, wie dieses Problem die Menschheitsgeschichte durchzieht.

Selbst die biblische Geschichte ist voll von Migrations- und Flüchtlingsgeschichten, und sie sind dort sogar zu einem Bekenntnis zusammengefasst. Da heißt es (Dtn 26,5): „Mein Vater war ein heimatloser Aramäer. Er zog nach Ägypten, lebte dort als Fremder mit wenigen Leuten und wurde dort zu einem großen, mächtigen und zahlreichen Volk.“ Die weitere Geschichte erzählt von Leid und Unterdrückung der Israeliten und ihrer Rückkehr in ihre Heimat. Da ist dann die leidvolle Geschichte gut ausgegangen und hat sogar zu einer Verpflichtung unter den Israeliten geführt (Ex 22,20): „Einen Fremden sollst du nicht ausnützen oder ausbeuten, denn ihr selbst seid im Land Ägypten Fremde gewesen.“

Und wenn ich jetzt wieder an den Stammbaum meiner Familie denke mit den Vorfahren und Verwandten, die ihre Heimat verlassen haben und in die Fremde gegangen sind, dann bringt mir das die Fremden und Flüchtlinge heutzutage noch einmal sehr nah. Es gilt doch, ihnen beizustehen und zu helfen, weil Mitglieder der eigenen Familie einmal Fremdlinge waren – und das nicht nur am Weltflüchtlingstag.

Pater Philipp Reichling aus Duisburg



[1] Vgl.: https://www.uno-fluechtlingshilfe.de/informieren/aktuelles/weltfluechtlingstag#:~:text=Der%20Weltfl%C3%BCchtlingstag%20wurde%20zum%20ersten,%C3%BCber%20die%20Rechtsstellung%20der%20Fl%C3%BCchtlinge.

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