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Kirche in WDR 5 | 14.09.2023 | 06:55 Uhr

Obdachlos katholisch sein

Viel Holz wird gerade gefällt für Bücher, die die aktuelle Kirchenkrise beschreiben. Mal in mehr oder weniger dunklen Farben. Ein Buch war dabei für mich ein Lichtblick. Und das nicht nur, weil der Buchtitel so sehr das Gefühl trifft von Menschen, die ich aus meinen Kirchenzusammenhängen kenne: „Obdachlos katholisch“[1] heißt das Buch.

Geschrieben hat es Regina Laudage-Kleeberg. Sie hat jahrelang bei Kirche in WDR2 und WDR4 gesprochen und ich kenne die Autorin gut. Das mit dem „obdachlos“ trifft bei vielen Katholik*innen den Nerv. Denn das „Haus voll Glorie schauet“, so heißt ein beliebter Kirchen-Schlager, das hat ja offensichtlich einen Dachschaden. Die Kirche kommt vom Regen in die Traufe. Und das hat vielleicht auch mit den vermeintlichen Dachschäden mancher Kirchenfürsten zu tun. Aber an denen liegt es nicht nur.

Laudage-Kleeberg seziert präzise und dabei immer radikal persönlich, warum sie es schwer hat, unter dem Dach der Kirche – und damit auch der Kirchengemeinde vor Ort – eine Hausung für ihr „Suchen und Fragen“ zu finden, für ihr „Hoffen und Sehn“ – um noch ein anderes Kirchenlied zu zitieren. Sie beschreibt die sozialen Wagenburgen der Alteingesessenen in Gemeinden vor Ort und sie beschreibt die mentalen Wagenburgen, in die sich manche Katholiken einigeln als Antwort auf eine Gesellschaft, die differenzierter wird, diverser, diffuser.

Gerade in der Corona-Krise hat die Autorin im Nebel gestochert. Da war wenig Kirche erkennbar, als Orientierung gebraucht wurde. Als sie Formen suchte um all das zu verpacken, was den Alltag herausgefordert hatte. Was mich an dem Buch fasziniert: Es beschreibt nicht nur die aktuelle Krise. Es ist keine Klageschrift einer blitzgescheiten Frau mittleren Alters mit Kindern und Anschlussproblemen für ihren katholischen Glauben. Es ist ein Zeugnis dessen, wie Katholisch-Sein, wie Christ-Sein heute vielleicht gelebt werden muss.

Zum einen ist Christsein eine Haltungsfrage: So bedient sich Laudage-Kleeberg nicht nur des Wortes „obdachlos“, weil das so treffend klingt. Sie beschreibt immer wieder in kleinen Miniaturen, wie der Kontakt zu Obdachlosen ihr Weltbild prägt. Ganz nebenbei zeigt sie damit: Christen reden nicht nur über Obdachlosigkeit, sie sprechen mit Obdachlosen. Ja: Zuwendung ist die fundamentale Form des Christseins. Denn das Fundament im Glauben an Jesus Christus ist doch, dass Gott sich den Menschen zugewandt hat. Und zwar radikal barmherzig.

Zum anderen ist das Buch für mich ein Zeugnis eines postmodernen Katholisch-Seins, weil es zeigt, wie emanzipiert die Autorin ihr Glaubensleben gestaltet. Und mit emanzipiert meine ich nicht eine plumpe Form von Emanzen-Katholizismus, sondern ich meine: selbstbestimmt. Die Autorin nimmt ihren Katholizismus selbst in die Hand. Ein Beispiel: Als im ersten Corona-Lockdown der Zugang zu Osterfestgottesdiensten verwehrt war, da hat Laudage-Kleeberg nicht lange gejammert über die Situation an sich und über die seelsorgerische Verzagtheit der Kirche im Besonderen: Sie hat mit den Leuten in ihrem Wohnhaus, von denen sie wusste, die sind auch Christen, eine besondere Liturgie erfunden: Den Treppenhausgottesdienst.

Jede Familie saß mit dem nötigen Sicherheitsabstand auf ihrer Etage. Die Lesungen wurden verteilt, die Fürbitten auch. Gesungen wurde gemeinsam im Treppenhaus – was sicher auch eine tolle Akustik hatte. So ist über Corona die Hausgemeinschaft enorm gewachsen! Das ist das Fazit von Regina Laudage-Kleeberg. Und sie beendet das entsprechende Kapitel in ihrem Buch mit einem Satz, den ich mir selbst auch mehr hinter die Ohren schreiben möchte: „Wir sind alle mündig, und jede und jeder von uns hat eigene Vorstellungen, wo die spirituelle Sehnsucht gut aufgehoben ist.“

Mich hat das Buch enorm ermutigt, in meinem Katholischsein natürlich die Dinge beim Namen zu nennen, auch die, die schlecht laufen. Wenn ich jedoch im Jammertal bleibe, liegt das vielleicht auch ein bisschen an mir. Daher: Ich will ich nicht aus den Augen verlieren, meinen Glauben zu feiern und ebenso wenig die Orte, wo ich das gut kann.

Aus Köln grüßt Sie, Klaus Nelißen



[1] https://www.katholisch.de/artikel/44327-obdachlos-katholisch-wenn-die-vertraute-kirche-fremd-wird

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