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Kirche in WDR 5 | 21.09.2023 | 06:55 Uhr

Weltalzheimertag

Guten Morgen!

Heute ist Weltalzheimertag. Zeit mal wieder an Papa zu denken. Vor sechseinhalb Jahren ist er gestorben – ich habe ihm zuletzt gewünscht, er müsste nicht so lange auf seinen letzten Atemzug warten. Mein Vater hatte Alzheimer. Aber vielleicht sollte man sagen: Alzheimer hatte ihn. Alzheimer hat ihn unerbittlich in den Griff genommen, bis zur letzten quälenden Neige des Lebens. Der kleine drahtige Mann, der früher geradezu Bäume ausreißen konnte, schlurfte mit kleinen Schritten und geneigter Haltung durch eine Welt, die er nicht mehr verstand. Ich kann mich noch daran erinnern, wie er vor der Krankheit den Kampf gegen eine tief in der Erde steckende Baumwurzel aufnahm. Wie er sie mit seinen kräftigen Händen aus dem Boden zog, zäh, ausdauernd, unnachgiebig. Nun hingen diese Hände schlaff und wie nutzlos an seinem Körper. Am schlimmsten waren die Zeiten, in denen ihm quälend bewusst war, dass er dabei war sein Gedächtnis und seinen Verstand zu verlieren.


Als er vergessen hatte, dass er vergessen hatte, wurde es leichter. Für ihn und auch für uns. Es gab die glücklichen Momente, wenn ich meinte ihn schnurren zu hören, während ich seinen Nacken massierte. Oder wenn er mit versonnenem Blick ein Kaninchen streichelte. Oder wenn es ihm offensichtlich schmeckte. Und da war auch sein altbekannter Zorn. Er redete kaum noch, aber den Arzt, der es gewagt hatte, ihn zu pieken, den beschimpfte er: „Du bist wohl doof!“ Er war manchmal zum Schreien komisch. Ich finde, es ist absolut erlaubt, darüber zu lachen, was ein dementer Geist Kurioses ersinnen kann. Und es gibt etwas, was ich immer wusste: Seine Vaterliebe und mein Tochterliebe hängen nicht davon ab, dass er weiß, was eine Tochter ist, und meinen Namen kennt. Es bleibt ein Kern, den die Krankheit nicht zerstört.


Ich will damit nichts von dem kleinreden, was uns Angehörigen zugemutet wurde. Wir sind noch immer voller Dankbarkeit für die großartige Unterstützung, die wir von vielen Menschen bekommen haben. Man schafft das nicht allein, einen demenzkranken Menschen zu tragen und zu ertragen, und sollte es auch gar nicht versuchen.


Es wird viel darangesetzt, ein Medikament gegen Alzheimer zu finden. Wie wunderbar wäre es, es gäbe eines. Doch ich ahne: Es wird keine Welt ohne Demenz geben. Darum wünschte ich, unsere Gesellschaft würde ebenso viel Grips darein stecken, wie eine Stadt aussehen könnte, in der man „in Ruhe verrückt werden kann“ (Reimer Gronemeyer). Wie müssen wir unsere Stadtviertel, unsere Geschäfte, unsere Straßen bauen oder umbauen, damit alte Menschen sich darin bewegen und orientieren können? Wie erwecken wir Nachbarschaften? Denn wenn Nachbarn aufmerksam sind und unterstützen, dann gibt das dementen Menschen Sicherheit und Halt. Phantasieren wir weiter! Das würde uns allen gut tun, nicht nur den Dementen.


Ein Mensch, der Alzheimer hat, ist nicht mehr er selbst? Ich weiß nicht. Was ist eigentlich das Selbst? Ich weiß aber: Wer Alzheimer hat, bleibt Mensch. In meinem Glauben einer, in dem Gott wohnt und mich ruft.


Einen gesegneten Tag wünscht Ihnen Pfarrerin Silke Niemeyer aus Münster.


Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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