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Kirche in WDR 5 | 26.09.2023 | 06:55 Uhr

Was bleibt, wenn die Glocken nicht mehr läuten?

Liebe Hörerinnen und Hörer,

vor einigen Tagen gab es in Essen eine Diskussion, bei der haben Menschen aus Politik und Kirche unter der folgenden Überschrift diskutiert: „Wenn die Glocken nicht mehr läuten, Christliches Abendland ohne Christen“. Ziemlich zeitgleich war ich im Schulministerium zu einem Gespräch. Und da habe ich erfahren, dass dieser neue Grundschuljahrgang der erste in Nordrhein-Westfalen ist, bei dem die nicht-konfessionellen Schülerinnen und Schüler in der Mehrzahl sind.

Wenn ich ehrlich bin, hat meine Bereitschaft, mich an Diskussionen zu notwendigen Reformen der Kirche zu beteiligen in den letzten Jahren rapide abgenommen. Zu gering ist meine Hoffnung, dass sich wirklich etwas ändern wird. Das schmerzt, denn die ausbleibende strukturelle Umkehr führt dazu, dass es immer neue Diskussionen gibt. Das aber bedeutet, dass wir uns – wie seit Jahrzehnten - mehr mit uns selbst beschäftigen als mit dem, worum es eigentlich gehen sollte – nämlich die Zuwendung Gottes zu den Menschen sichtbar zu machen.

Wenn ich etwas fürchte, dann ist es nicht das Schwinden der Institution. Aber für die Gesellschaft wäre es ein Verlust, wenn jene Räume verschwinden, wo Menschen aufgenommen und angenommen werden, wie Jesus es in seiner Zuwendung getan hat. Ich denke an die Frauen und Männer, die ich in den Kleiderstuben der Pfarreien kennengelernt habe, genauso wie an die Menschen, die in den Beratungsstellen für Suchtkranke ein christliches Zeugnis davon geben, dass jeder Mensch eine unverlierbare Würde besitzt.

An Orten wie diesen lebt eine Kirche, deren Verschwinden unsere Gesellschaft in der Tat ärmer macht. Ich fürchte nicht, dass die amtlichen Vertreter weiter an politischem Einfluss verlieren, aber es wäre ein Verlust für unser Gemeinwesen, wenn jene Stimmen nicht mehr hörbar wären, wie die eines Pfarrers Peter Kossen, der sich für Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen einsetzt und der auch die unbequeme Auseinandersetzung nicht fürchtet mit den Vertreterinnen und Vertreter bestimmter Industriebereiche. Menschen wie Pfarrer Kossen führen sich nicht als moralische Lehrmeister auf, die den Leuten sagen, wie sie zu leben haben, sondern er und viele andere sind Propheten unserer Zeit. Sie geben den Benachteiligten eine Stimme. Auf das Glockengeläut mancher Kirche mag ich verzichten wollen, auf das Geläut dieser prophetischen und wachen Christenmenschen, nicht.

Diese Frauen und Männer machen mir deutlich, dass es sich vielleicht nicht lohnt, für den Erhalt einer bestimmten Form der Kirchen zu kämpfen, aber doch dafür, dass die Botschaft von Zuwendung Gottes zu jedem Menschen hörbar bleibt. Denn bei all den großen Fortschritten, die unsere Gesellschaft in den vergangenen Jahrzehnten im Bereich der persönlichen Freiheit und der Menschenwürde gemacht hat, so drohen immer auch wichtige Elemente unseres Zusammenlebens aus dem Blick zu geraten. Der Rückgang ehrenamtlichen Engagements oder auch die wachsende Zustimmung zu politischen Konzepten, die ausgrenzen, sind ein Alarmzeichen. Das erfordert
unsere Wachsamkeit als Gemeinwesen. Und Christinnen und Christen erfahre ich oft als wache Zeitgenossen, weil ihr Lebenskonzept diese Wachheit gebietet.

Eine solche Zeit, die so viele Herausforderungen und Krisen mit sich bringt, trägt immer die Gefahr in sich, „den oder die Andere“ als Konkurrenz im Kampf um die eigenen Fleischtöpfe zu sehen. Da braucht es eine Kirche, deren Glocken daran erinnern, dass es einen Gott gibt, der uns dazu einlädt, die eigenen Gaben zur Aufgabe werden zu lassen – damit alle leben können. Vielleicht kann das, was ich heute tue, ein Glockenschlag sein, der daran erinnert?

Aus Münster grüßt Sie herzlich Jochen Reidegeld.



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