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Kirche in WDR 5 | 27.09.2023 | 06:55 Uhr

Pax optima rerum

Münster feiert in diesem Jahr 375 Jahre Westfälischer Frieden. Und weil ich schon seit Jahren hier lebe, feiere ich natürlich mit. Als Leitwort dieses Friedensschlusses hat sich das alte römische Sprichwort etabliert: „Pax optima rerum.“ – „Der Friede ist das Beste aller Dinge“.

Mit dem Frieden ist das ja so eine Sache: Über 70 Jahre haben wir in Deutschland und in der Mitte Europas dieses wunderbare Gut des Friedens genießen dürfen. Unser Wohlstand ist immer weiter gewachsen, unsere Freiheiten auch. Wenn ich allein daran denke, wie frei ich mittlerweile reisen kann in der EU. Aber: Was man so lange Zeit erleben darf, das betrachtet man sehr schnell als sein selbstverständliches Eigentum, ja sogar als etwas, das einem zusteht.

Mir ging es selbst nicht anders, bis mir meine humanitären Einsätze im Irak und Syrien seit 2015 die Augen geöffnet haben: Frieden ist für größere Teile der Weltbevölkerung zerbrechlich und wenig selbstverständlich. Nach dem Ende des kalten Krieges hatten ja viele geglaubt: Jetzt ist alles gut. „Das Ende der Geschichte“, hieß ein einflussreiches Buch. Aber: Der Traum von dem großen Frieden ist in vielen Teilen der Welt nie Wirklichkeit geworden. Die Menschen dort erleben nicht das Beste, sondern das Schlechteste der Dinge, den Krieg. Schon allein die Zahlen sind erschütternd. In Syrien, wo ich mit Freunden medizinisch helfe, leben 90 Prozent aller Menschen unter der Armutsgrenze. Die Hälfte der Bevölkerung ist auf der Flucht – ins Ausland oder als Binnenflüchtlinge. Und das Erdbeben am Anfang des Jahres in der Region haben wir hierzulande schon fast vergessen. Die Menschen in Syrien nicht. Das hat unbeschreibliche Leid nur noch größer gemacht.

Aber selbst in dieser Katastrophe zeigt sich die menschenverachtende und zynische Haltung der Kriegsherren. Schon zwei Tage nach dem Erdbeben bombardierten die Truppen Assads die Erdbebengebiete und damit auch die Helferinnen und Helfer, die ohne geeignetes Gerät Menschen aus den Trümmern zu retten versuchten. Hilfstransporte, die unsere Projektpartner in die Erdbebengebiete schicken wollten, wurden an den Checkpoints der Armee aufgehalten. Warum? Korruption. Sie wollten die Medikamente und zwei Krankenwagen wegnehmen und zu Geld machen. Oder uns erreichte die Nachricht, dass Menschen bestimmter Volksgruppen bei der Rettung aus den Trümmern bewusst vernachlässigt wurden. – Der Krieg ist die schlechteste aller Sachen, weil er das Schlechteste im Menschen weckt. Der Krieg zerstört das, was uns zu Menschen macht: Die Fähigkeit, Mitgefühl zu empfinden und einander Beistand zu leisten in der Not.

„Was geht das alles mich an?“ mögen Sie sich vielleicht an diesem Morgen fragen. Der Angriff auf die Ukraine hat deutlich gemacht, wie schnell der Krieg auch uns nahekommen kann. Der scheinbar so sichere Frieden ist für uns brüchiger geworden. Das ist auch weiterhin für viele Menschen ein Schock und macht ihnen Angst. In meinen Augen ist es ein Weckruf: demokratische Freiheit und die Wahrung der Menschenrechte fallen uns nicht in den Schoß. Sie erwachsen aus unserem Engagement. Als Christ will ich diese ganz bewusst verteidigen. Wenn die Sicherheiten schwinden und die Herausforderungen wachsen, bin ich als einzelner Bürger und Christ gefordert, genau jene Menschlichkeit zu schützen, die der Unfriede und der Krieg als erstes zerstören: das Mitgefühl und die Fähigkeit, im anderen Menschen, meine und meinen Nächsten zu sehen – z.B. auch in den Frauen, Männern und Kindern, die aus den Kriegsgebieten zu uns fliehen, weil ihnen das Bester der Dinge geraubt wurde. So wird der Friede, der mir geschenkt wird von der Gabe zur Aufgabe – auch für diesen Tag!

Aus Münster grüßt Sie herzlich Jochen Reidegeld.




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