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Kirche in WDR 5 | 05.10.2023 | 06:55 Uhr

Beppo und Mose

Guten Morgen!

„Manchmal habe ich das Gefühl, nur noch in To-do-Listen zu leben“, sagt eine Freundin. Sogar für den Samstag ist die Liste ellenlang: einkaufen, mit dem Kind basteln, mit dem neuen Pudel zur Hundeschule und die Predigt für den Sonntag vorbereiten. Sie fühlt sich gehetzt. Für keine der Sachen ist eigentlich genügend Zeit.


So(lche) Tage kenne ich auch. Ich führe eine To-do-Liste in meinem Handy, die manchmal furchtbar lang wird. Und manchmal gibt es dann so richtig gute Tage, an denen ich eine Reihe der Punkte löschen kann. Weil sie geschafft sind. Das ist dann so ein schönes Gefühl. An anderen Tagen dagegen lähmt mich die große Anzahl der unerledigten Dinge. Dann ist die Liste eher lästig. Aber ich will ja auch nichts vergessen.


Mein Bruder hatte als Jugendlicher die Angewohnheit, ausführlich aufzuzählen, was er noch alles zu tun hat - und wie stressig das alles sei. Meine Mutter pflegte dann zu sagen: „In der Zeit, in der du das jetzt alles aufgezählt hast, hättest Du die Hälfte davon schon erledigen können.“ Im Grunde ein guter Tipp. Nicht zu lange hadern, sondern die Dinge nach und nach abarbeiten.


Mir fällt dann immer Beppo, der Straßenkehrer ein. Eine Figur aus dem Roman „Momo“ von Michael Ende. Er sagt zu Momo: „Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen (…). Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst, und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr.“ (1)


Und dann erklärt Beppo Momo sein Geheimnis: Warum ihm das Fegen trotzdem Freude macht: „Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur an den nächsten. (…) das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.“ (2)


Das kann ich lernen von Beppo dem Straßenkehrer. Nicht an die ganze Straße auf einmal denken! Einen zweiten Tipp hab ich von Mose aus der Bibel. Er ist mit dem Volk Israel unterwegs und muss den ganzen Tag Streitigkeiten schlichten. Von morgens bis abends ist er gefragt und kommt kaum zum Durchatmen. Da spricht ihn sein Schwiegervater an und sagt ihm knallhart seine Meinung: „Es ist nicht gut, was du da tust. Du machst dich müde und das Volk gleich mit.“ (Die Bibel, 2. Mose 18,17-18) Gemeinsam finden sie eine Lösung.

Mose gibt Aufgaben an andere ab, die das genauso gut können. Vielleicht sogar besser. Und am Ende muss er sich nur noch um die wichtigsten Dinge kümmern.


Mose und Beppo. Meine beiden Ratgeber, wenn die To-do-Liste zu lang wird. Also nie die ganze Straße auf einmal denken. Und überlegen, ob ich alle Aufgaben wirklich alleine bewältigen muss. „Wenn du das machst, wird Gott mit dir sein“, sagt der Schwiegervater zu Mose. (Die Bibel, 2. Mose 18,23) Das ist doch eine echte Verheißung. Darauf will ich mich verlassen. Damit ich nicht zu müde werde.


Dass ihre To-to-Liste heute nicht zu lang ist

wünscht Ihnen,

Ihr Pfarrer Bernd Becker aus Bielefeld.



Quellen:

(1) Michael Ende: Momo, Thienemann Verlag, Stuttgart 1973, S. 35–37.

(2) Ebd..



Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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