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Kirche in WDR 5 | 08.11.2023 | 06:55 Uhr

Aber-Geist

Guten Morgen!

„Sicher, nicht schlecht, aber da könnte noch etwas mehr Salz dran“, meint meine erwachsene Tochter, als wir zusammen kochen und ein neues Gericht ausprobieren. „Schon ein ganz guter Ansatz, aber Sie könnten es auch einmal so probieren“, meine ich zu meinen Schülern. Das Wort „aber“ spricht für Skepsis und Widerstand – hat allerdings Konjunktur. In einer Welt scheinbar unendlicher Möglichkeiten und Widersprüche gibt es fast immer ein „Aber“. Und das ist gut, denn es hat doch da seine Berechtigung, wo ich etwas wirklich noch einmal überdenken muss, wo ein Einwand mich vor schlechten Entscheidungen oder gar Fehlern bewahrt oder ich einfach nur Alternativen ausloten muss. Doch es gibt auch eine andere Seite dieses „Aber“. Dort nämlich, wo bereits richtige Entscheidungen und Überzeugungen vorliegen, stellt es unnötigerweise in Frage und hat eine zerstörerische Kraft. Dann ist es „der Geist, der stets verneint“, um es mit Mephisto in Goethes Faust zu sagen. So stellt sich der Teufel vor, auf die Frage, wer er denn sei. Das Aber ist dann nichts anderes als das Verneinen dessen, was ist. Denn es unterstellt: Es könnte doch immer noch etwas Anderes, vermeintlich Besseres, geben. Und das wiederum hat zur Folge, unzufrieden zu bleiben, nicht mehr das wahrzunehmen, zu genießen und zu akzeptieren, was ist. So kann das Wort „aber“ katastrophische Bilder zeichnen, die Zukunft völlig verdunkeln und die Vergangenheit verklären. Es kann eine unglaubliche Macht entwickeln und am Ende den Menschen unglücklich machen. Es erinnert mich an die Geschichte vom Esel, der zwischen zwei gleichgroßen Heuhaufen steht und sich nicht entscheiden kann, welchen er zuerst fressen soll. Der eine ist bestimmt lecker, aber der andere vielleicht noch leckerer. Schließlich verhungert der Esel zwischen den beiden Heuhaufen.

Der heilige Ignatius von Loyola, der Gründer des Jesuitenordens spricht nicht umsonst im Zuge seiner sogenannten Unterscheidung der Geister vom „Aber-Geist“, der stets verneint, immer einen Einwand in Form dieses Abers findet. Doch es gibt eine Möglichkeit, so Ignatius, den Aber-Geist zu stellen und ihm nicht auf den Leim zu gehen: durch die „Unterscheidung der Geister“. Ignatius sucht und fragt nach dem Geist Gottes, der dem Aber-Geist entgegensteht.

Doch wie soll das gehen? Wie weiß ich, welcher Geist wer ist? Der Geist Gottes könnte sich ja ebenso in einem Aber zum Aber-Geist zeigen. Es gibt also das Gute im vermeintlich Dunklen und das Dunkle im vermeintlich Guten. Ganz schön kompliziert!

Ignatius weist darauf hin, dass ich mir dazu mehrere Fragen stellen muss: Wo gibt es für mich auf Dauer mehr Freiheit? Wo spüre ich dauerhaft mehr Trost? Es gilt, die Empfindungen zuzulassen, sie wahrzunehmen, ihnen dauerhaft nachzuspüren und erst dann zu entscheiden. Das, was dauerhaft mehr Gutes bewirkt, in meinen Empfindungen und Tun, ist nach Ignatius das „Magis“, das „Mehr“, in dem sich Gott zeigt.

Und so möchte ich den guten Geist Gottes in meinem Leben finden, ihm folgen und ihn unterscheiden von dem Aber-Geist, der mich vom Weg zum möglichen Glück abbringt. Diesen Weg will ich gehen – ohne Wenn und Aber.

Aus Gladbeck grüßt Sie Meike Wagener-Esser


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