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Kirche in WDR 5 | 02.02.2024 | 06:55 Uhr

Aufopferung

Heute feiert die katholische Kirche das Fest: Darstellung des Herrn. Das allein ist schon ein merkwürdiger Name für ein Fest. Aber hören Sie mal, wie es früher genannt wurde, nämlich: „Jesu Aufopferung“. Nun, dass Jesus sich aufgeopfert hat, das ist ja bekannt. Aber es ist Anfang Februar und nicht Ostern – dazu später noch mehr. Und es geht hier auch um was anderes. Den Betenden der christlichen Mantra-Kette, also vom Rosenkranz, jedenfalls ist diese merkwürdige Formulierung wohlbekannt. So habe auch ich schon unzählige Male gebetet: „…den Du, oh Jungfrau im Tempel aufgeopfert hast.
...“ Was also steckt nun hinter dieser ungewöhnlichen, ja befremdlichen Formulierung? Nun, um das zu erklären muss ich weit zurückgehen. Nämlich bis zum Beginn der Menschheit. Manuel Herder hat den schönen Satz geprägt: „Als zum ersten Mal ein Affe seine Augen zum Himmel erhob, und Gott dafür dankte ein Affe zu sein, da wars ein Mensch.“ Und ich kann es mir gar nicht anders denken als so: Mit der Entstehung des menschlichen Bewusstseins kam gleichzeitig eine Ahnung dafür, dass diese vorgefundene Welt umfangen ist von einer alles übersteigenden Wirklichkeit. Die Menschen nannten sie: Die Welt der Götter. Allerdings war dieser Glaube verbunden mit tiefer Angst. Folgerichtig entwickelte sich ein Kult, um die unheimlichen Götter durch kostbare Opfer milde zu stimmen. Und, für uns unvorstellbar, das kostbarste Opfer war, das eigene erstgeborene Kind. Der sog. Infantizid, war selbstverständlich und bei fast allen Urvölkern normale Praxis. Erst ein winzig kleines Wüstenvolk namens Israel, beendete diese grausame Praxis, und ersetze das Menschenopfer durch Tieropfer. Die Geschichte von Abraham, der zunächst, wie es halt üblich war, seinen Sohn auf einem Altar Gott darbringen wollte, ist also eine Befreiungsgeschichte und ein Quantensprung in der Geschichte der Menschheit. So entstand über dem Felsen des verhinderten Abraham-Opfers, auf dem Berg Moria, ein gewaltiger Tempel. Im Tempel von Jerusalem floss von nun an nur noch das Blut von Tieren als Gottesgabe. Es war aber jüdischer Brauch, dem Hohepriester jedes Erstgeborene in die Arme zu legen, der es dann erhob und Gott symbolisch darbrachte. Danach gab er das Kind den Eltern zurück und opferte stattdessen ein Tier. Und so war das damals auch bei Jesus – klar, er war Jude. Und dass der kleine Jesus derart dargebracht wurde, dargestellt, das feiert die Kirche heute. Das mit dem Opfer ging dann aber weiter. Anstelle des zerstörten Tempels steht ja heute der muslimische Felsendom in Jerusalem. Und in beiden Religionen, im Judentum und im Islam, gibt es bis heute mitunter das blutige Opfern von Tieren. Erst das Christentum ermöglichte den nächsten Quantensprung. Schon die ersten Christen sahen im Tod Jesu das letzte not-wendige Opferlamm. Für die Christen endete also der Kult des blutigen Opfers. Wobei ein großes Missverständnis aufzuklären ist. Traditionell wird immer noch verkündet, dass Christus von seinem Vater als blutiges Sühneopfer dargebracht worden sei. Was für ein Unsinn! Der Kreuzestod Jesu ist nichts anderes als die unbedingte Solidarität mit den Schreien der Lämmer, und aller Todesnot der gepeinigten Kreatur dieser Welt. Es ist, -ein Zeichen der Liebe. …Puh, ziemlich viel Theologie an diesem Morgen, aber so erklärt sich das heutige katholische Fest.

Kommen Sie gut durch diesen Tag, Ihr Diakon Willibert Pauels aus Wipperfürth.

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