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Kirche in WDR 5 | 22.02.2024 | 06:55 Uhr

Das erste Gebot

Guten Morgen!

Sie sind beliebt, zumindest in der Theorie. Die Zehn Gebote. Du sollst nicht stehlen. Du sollst nicht töten. Du sollst nicht ehebrechen. Du sollst nicht begehren. Das steht für das, was einen anständigen Menschen macht. Und das ist doch schon was.


Oder nicht? Kürzlich ist mir ein altes Interview in die Hände gefallen, das Günter Gaus mit Heinrich Albertz geführt hat. Der Journalist Günter Gaus kommt aus einer Zeit, als es in Fernsehgesprächen erlaubt war zu rauchen und verboten sich künstlich aufzuregen. Pastor Heinrich Albertz war Regierender Bürgermeister von Berlin und hat sich als Geisel für Terroristen zur Verfügung gestellt, um das Leben eines Politikers zu retten.


Gaus fragt Albertz nach der Anfangszeit als ganz junger Student unter der Naziherrschaft: „Für etwa zwei Monate, sind Sie [- Pastor Albertz -] damals (...) mitgelaufen mit der SA. Was hat Sie dazu veranlaßt?“ „Ja“, antwortet Albertz, „wir liefen mit, und ich war in dieser Welle mit drin. Das war (...) ein Gefühl der Befreiung, ein Gefühl, plötzlich unter vielen Menschen zu sein.“ Und er erinnert sich, wie sein großer Bruder ihn zur Besinnung gebracht hat: Er „hat mir in sehr massiver Weise eigentlich alles vor Augen geführt, was dann eingetreten ist. Er hat mir vorgeführt: Wir kommen hier in eine Zeit von Gewalt und Rechtsbruch und Auflösung von aller Menschlichkeit. Und er hat mir natürlich als ein Christ, als ein Pfarrer und als mein Bruder (…) gesagt, das wird eine Sache, die letzten Endes auf das erste Gebot zuläuft. Die werden sich an die Stelle Gottes setzen, und du hast das und das gelernt. Damals spielte nämlich das erste Gebot in allen meinen Predigten zum Lächeln meiner Gemeinde eine zentrale Rolle: Du sollst keinen anderen Gott haben neben mir.“ (1)


Das erste Gebot halten – Ich bin der HERR, dein Gott, du sollst keinen anderen Gott haben neben mir… Heinrich Albertz wäre ohne seinen Bruder wahrscheinlich einer geworden, der die Zehn Gebote passabel gehalten hätte. Er hätte seine Eltern geehrt und den Feiertag geheiligt. Er hätte nicht gemordet, gestohlen und nur ein bisschen gelogen. Er hätte vor Gericht immer die Wahrheit gesagt. Er wäre seiner Frau treu geblieben und hätte einigermaßen seine Begehrlichkeiten im Zaum gehalten. Er wäre kurzum ein anständiger Mensch geworden. UND ein anständiger Nazi. Und beides wäre für ihn wie für die meisten damals wunderbar zusammengegangen.

Denn man kann Gewalt und die Auflösung aller Menschlichkeit zusammenbringen mit dem „Du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht begehren“ Man kann es dann, wenn man einem Teil der Mitmenschen das Menschsein abspricht. Sich also selbst zum Gott erhebt.


Das hätte Heinrich Albertz womöglich in seiner Verblendung getan – hätte sein Bruder ihm nicht gesagt, dass das, wofür der mitmarschiert, auf den Bruch des ersten Gebots rausläuft, das über allem steht: Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus der Sklaverei befreit hat. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben. Nicht Volk, nicht Blut, nicht Boden, nicht Rasse, nicht Geld.


Zeit auch jetzt, öfter ans erste Gebot zu denken, finde ich.


(Ende WDR 4, Verabschiedung für WDR 3 und WDR 5:)

Einen gesegneten Tag wünscht Ihnen Pfarrerin Silke Niemeyer aus Münster.



(1) https://www.rbb-online.de/zurperson/interview_archiv/albertz_heinrich.html
(zuletzt abgerufen am 09.01.24)


Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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