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Kirche in WDR 5 | 07.05.2024 | 06:55 Uhr

Mein schönstes Corona-Erlebnis

Guten Morgen!

Neulich traf ich eine alte Bekannte wieder. „Und?“, fragte sie. „Was war dein schönstes Corona-Erlebnis?“ Ich dachte, ich hätte mich verhört. Aber sie meinte nicht das Schlimmste, was ich durchgemacht hatte, sondern das Schönste, was mir nach all den Entbehrungen und Enttäuschungen in Erinnerung geblieben ist – denn auch das gibt es.

Nun, ich musste nicht lange nachdenken, denn da gab es tatsächlich bewegende Gespräche und beglückende Begegnungen, alle mit Abstand und Maske, versteht sich. Und vor allem gab es eine Menge geschenkte Zeit – viel mehr, als ich gewollt hätte. Ich war eigentlich nur zu einem Kurzurlaub in Südfrankreich. Aber dann kam der Lockdown, und damit saß ich über vier Wochen fest, allein, eingeschlossen in einer Ein-Zimmer-Wohnung: Wohn-, Schlaf-, Esszimmer und Kapelle in einem. Dazu ein klitzekleiner Balkon, und einmal am Tag gab es eine Stunde „Freigang“ rund um das Haus. – Ich gestehe, dass ich erst da wirklich verstanden habe, was Isolationshaft bedeutet – oder auch das Leben eines Einsiedlers. Ohne menschliche Begegnung, nur auf sich gestellt…

Viel Zeit zum Nachdenken also; zum Lesen und Beten … Und manchmal fiel mir einfach auch die Decke auf den Kopf. Aber es war auch eine einzigartige Herausforderung, es mit mir selber auszuhalten. Keine leichte Übung, wenn es nur wenig Ablenkung und Abwechslung gibt. Vor allem waren da die täglichen Telefonate mit meinem hochbetagten Vater, der ebenfalls in seinem Zimmer im Altenheim gefangen war. Nie werde ich vergessen, wie glücklich er war, als ich ihn das erste Mal nach unserer beiderseitigen Isolation in die Arme nehmen konnte.

Und daran schließt sich mein eigentlich schönstes Corona-Erlebnis an. Normalerweise feiere ich als Priester den Sonntagsgottesdienst in meiner Pfarrgemeinde. Das ging Corona bedingt lange nicht. Stattdessen fuhr ich regelmäßig zu meinem Vater ins Altenheim. Dort habe ich dann fast zwei Jahre lang jeden Sonntag mit den indischen Schwestern die Messe gefeiert, mit Maske und negativem Test, und war danach mit meinem Vater zusammen. Wir haben viel miteinander erzählt, von früher, aber auch über aktuelle Themen; ich habe ihm aus seinen Erinnerungen vorgelesen, die er selbst vor Jahrzehnten verfasst hatte. Und wir haben auch über den nahen Tod gesprochen, der sich durch mehrere Vorboten ankündigte. In diesen knapp zwei Jahren bis zu seinem Tod ist zwischen uns eine Vertrautheit gewachsen, wie ich sie mir nie erträumt hätte: Wir beide haben bewusst jene Grenze wahr- und angenommen, an der wir beide endgültig voneinander Abschied nehmen mussten, den Tod. Und doch wussten wir uns über den Tod hinaus verbunden. Mir ist in der Zeit ein Psalmwort sehr bewusst geworden, den ich sonst jahrelang nur einfach gebetet habe: Jetzt hatte er einen Sitz in meinem Leben (Ps 116,15): „Kostbar ist in den Augen des Herrn das Sterben seiner Frommen.“ Kostbar war es, dass mir diese intensive Zeit der Lebens- und Sterbebegleitung geschenkt worden ist. Ein kostbares Privileg, für das ich unendlich dankbar bin.

Wir alle spüren wieder stärker, dass wir einander brauchen“, hatte der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn seinerzeit gemahnt, mitten im ersten Lockdown, als noch keiner wusste, was in den nächsten Monaten und Jahren auf uns zukommen würde. Und in der Tat: Vielleicht ist das am Ende das schönste Erlebnis, das mir in aller Not geblieben ist – und hoffentlich weiterwirkt: beieinander zu bleiben und weiter füreinander da zu sein. Eben so, wie es Paulus seiner Gemeinde in Ephesus geraten hat (Eph 4,2f): „Ertragt einander in Liebe und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch das Band des Friedens!“

Ich bin Peter Klasvogt aus der Kommende Dortmund. Kommen Sie gut durch den heutigen Tag!



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