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Kirche in WDR 5 | 22.05.2024 | 06:55 Uhr

„Mit leeren Händen“

Guten Morgen!

Mit leeren Händen zu Besuch kommen? Eigentlich habe ich immer gerne ein Mitbringsel dabei. Neulich aber wurde ich am Sonntagmorgen spontan von einem älteren Ehepaar eingeladen: Kaffee und Kuchen am Nachmittag. Weil ich den beiden schon öfter absagen musste, habe ich gerne zugesagt.
Aber dann fiel mir ein: Du hast ja gar kein Geschenk. Die Geschäfte hatten geschlossen, noch nicht mal eine Flasche Ahr-Wein aus meiner Heimat hatte ich zu Hause. Ich musste mit leeren Händen kommen.

Das tat einem schönen Nachmittag aber keinen Abbruch.

Von diesem Gefühl, kein Mitbringsel zu haben und mit leeren Händen dazustehen, davon spricht auch die erste Zeile eines Kirchenliedes: „Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr“. Der niederländische Theologe Huub Oosterhuis hat den Text geschrieben. Die Melodie stammt vom niederländischen Komponisten Bernard Huijbers und wird in diesem Jahr 60 Jahre alt.

Sprecherin: „Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr;
fremd wie dein Name sind mir deine Wege.
Seit Menschen leben, rufen sie nach Gott;
mein Los ist Tod, hast du nicht andern Segen?
Bist du der Gott, der Zukunft mir verheißt?
Ich möchte glauben, komm mir doch entgegen.“

Die weiteren Zeilen machen deutlich, dass es nicht um ein vergessenes Mitbringsel geht und jemand deshalb mit leeren Händen vor Gott steht. Das Lied ist ein Gebet, ein moderner Psalm, ein Fragen, wer Gott ist und warum er so handelt, wie er handelt.

Da klagt ein Mensch, der in einer tiefen Krise steckt. Vielleicht ist eine Freundin gestorben oder eine schwere Krankheit hat sein eigenes Leben von jetzt auf gleich erschüttert. Mit leeren Händen steht er vor diesem ihm so unbekannten Gott – mit mehr Fragen als Antworten.

Mir ist dieses Lied im Laufe meines Lebens immer wichtiger geworden. Unser Pastor in meiner Heimatgemeinde hat es häufiger für Gottesdienste ausgesucht und mit uns gesungen. Damals als Kind habe ich die Tiefe dieser Textzeilen natürlich nicht begriffen. Aber mit den Jahren kann ich mich immer besser in den Sprecher, den Beter dieses Textes hineinversetzen: Das, was ich von Gott nicht weiß, ist viel größer als das, was ich von ihm weiß. Und oft, da habe ich selbst als studierter Theologe und Priester mehr Fragen als Antworten. Ja, dieser Gott ist auch mir manches Mal unbekannt und ich kann seine Wege nicht verstehen; zum Beispiel, wenn ich zu Eltern gerufen werde, die gerade ihr Kind verloren haben. Dann könnte ich die zweite Strophe dieses Liedes mitsingen:

Sprecherin: „Hast du mit Namen mich in deine Hand,
in dein Erbarmen fest mich eingeschrieben?“

Das, was hier so lyrisch beschrieben wird, heißt nichts anderes als: Hast du diese Menschen vergessen, Gott?

Aber der Text bleibt bei dieser Frage nicht stehen. In der dritten Strophe macht er eine Wende. Aus den Fragen wird ein großer Wunsch, eine ganz persönliche Bitte:

Sprecherin:
„Schließ auf das Land, das keine Grenzen kennt,
und lass mich unter deinen Kindern leben.“

Ja, das ist auch mein Glaube: dass Gott dieses Land aufschließt, das keine Grenzen kennt und wo Menschen als Geschwister miteinander leben können – ganz unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Hautfarbe und sozialer Stellung.

Und meine ganz persönliche Bitte ist, dass dieses Land schon jetzt und hier beginnt – heute!

Ihr Pfarrer Andreas Möhlig aus Aachen.


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