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Kirche in WDR 5 | 01.06.2024 | 06:55 Uhr

Mit Kant entscheiden

Guten Morgen!

Es kann sein, dass Ihnen heute jemand begegnet, der bettelt. Werden Sie das Portemonnaie zücken und etwas geben? Oder eher nicht, vielleicht sogar: grundsätzlich nicht?

Gute Gründe gibt es für die eine wie für die andere Entscheidung.

Einerseits: Mitleid. Das ist eine menschliche Regung. Denn wer da auf der Straße sitzt und bettelt, kann einem leidtun. Und das Kleingeld, das ich gebe, macht mich nicht arm.

Andererseits: Meine paar Euro helfen diesem Menschen nicht wirklich. Womöglich vertrinkt er‘s. Und überhaupt: Niemand muss in unserem Sozialstaat betteln. Wer bedürftig ist, erhält „Hilfe zur Überwindung besonderer sozialer Schwierigkeiten“, so heißt das im Gesetz.

Also was tun?

Vor 300 Jahren wurde ein berühmter Philosoph geboren: Immanuel Kant. Er hat viel über das richtige menschliche Handeln nachgedacht. „Was soll ich tun?“, war eine der Fragen, die ihn beschäftigten. Es ist eine Pflicht, denen zu helfen, die Not leiden, sagt Kant. Doch das soll nicht aus Mitleid geschehen oder um sich selbst besser zu fühlen, sondern eben aus Pflicht.

Kant hat nämlich für jedes menschliche Handeln folgendes Gesetz ausgedacht: Alles, was ich tue, muss immer so beschaffen sein, dass daraus ein allgemeines Gesetz werden könnte. Anders gesagt: Die Richtschnur meines Handelns soll immer gelten - für alle Menschen und für alle Situationen. Also auch für meinen Umgang mit Menschen, die betteln. Denn wenn alle, die das können, einem Notleidenden helfen, ist am Ende allen geholfen. Jeder kann schließlich unverschuldet in Not geraten.

Kant konnte aufbauen auf einer viel älteren Regel, die schon in der Bibel steht. Sie stammt von Jesus und lautet:


Sprecherin: „Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun, das tut ihr ihnen auch!“ (Die Bibel, Matthäus 7,12)


Das ist einfach und einleuchtend. Mit umgekehrtem Vorzeichen wurde es zum Sprichwort:


Sprecherin: „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu.“


Eine ideale und immer gültige Entscheidung gibt es für den Umgang mit bettelnden Menschen wohl nicht, da hilft auch Immanuel Kant höchstens ein bisschen weiter. Es ist sicher nicht falsch, etwas zu geben. Aber ein schlechtes Gewissen muss ich auch nicht haben, wenn ich es lasse.

Ich selbst entscheide mich meist spontan – mal so, mal so. Es hängt davon ab, ob ich gerade passendes Geld bei mir habe. Ob ich in Eile bin. Und manchmal auch - davon, ob mir der Mensch sympathisch ist oder nicht. Wenn es passt, frage ich schon mal: „Haben Sie Hunger?“, und wenn ich ein Ja höre, gehen wir zusammen in die nächste Bäckerei, und ich kaufe ihm ein oder zwei belegte Brötchen.


Gute Entscheidungen wünscht Ihnen heute Ihr Andreas Duderstedt aus Lemgo.



Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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