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Kirche in WDR 5 | 08.06.2024 | 06:55 Uhr

Nicht dafür

Was für ein Satz: „Nicht dafür!“ Das ist eigentlich kein ganzer Satz. Es ist eine kurze Antwort darauf, dass sich jemand bedankt hat. Letztens zum Beispiel habe ich den Hausmeister in meinem Kloster gebeten, meinen alten Schreibtischstuhl zu reparieren, die Armlehne war aus der Verankerung geraten und ganz locker. Er hat das dann auch gleich repariert. Und als ich mich bei ihm dafür bedanke, sagt er nur: „Nicht dafür!“ und winkt dabei mit der Hand ab. Das finde ich auf der einen Seite sehr großzügig von unserem Hausmeister. Aber auf der anderen Seite will ich das so nicht einfach stehen lassen, und antworte spontan darauf: „Doch dafür!“ Denn immerhin hat er etwas gemacht, was ich nicht bewerkstelligen konnte – aus welchen Gründen auch immer. Und dafür will ich ihm einfach danken und anerkennen, was er da für mich gemacht hat. Das Ganze ist nur eine kleine, alltägliche Episode, eigentlich banal. Aber sie geht mir immer noch nach.

„Nicht dafür!“ Das klingt nobel und zugleich sehr bescheiden und will so viel heißen wie: „Keine Ursache!“ „Nicht der Rede wert!“ „Das ist doch selbstverständlich.“ Aber ich frage mich: Ursache wofür? Was ist denn nicht der Rede wert? Und was ist denn eigentlich selbstverständlich in meinem Leben? Mir wird das am ehesten bewusst, wenn etwas nicht wie selbstverständlich läuft: Da geht eben mein Schreibtischstuhl kaputt, und ich kann nicht wie gewohnt arbeiten. Ich habe da einen Termin, und ein Verkehrsstau lässt mich zu spät kommen. Ich wache morgens auf und bin total vergrippt, sodass ich das Bett hüten und alles andere sein lassen muss. Und viel grundsätzlicher: Ich plane selbstverständlich so, als ob morgen alles so weitergeht wie heute. Nur – das klappt nicht immer. Dafür ist das Leben seinem Wesen nach unideal und damit auch vieles nicht selbstverständlich. Gerade weil das so ist, bin ich schon froh und dankbar, wenn andere dafür Verständnis zeigen, wenn es im konkreten Leben mal anders läuft als geplant.

Natürlich hätte ich es gerne anders und suche nach idealen Lösungen, aber so läuft es im Leben eben nicht. Anders formuliert: Wenn ich anderen gegenüber dankbar bin, dann gestehe ich mir und anderen indirekt ein: Das kann ich nicht, da bin ich, da ist mein Leben einfach begrenzt. Nichts anderes wird ja deutlich, wenn ich jemanden um etwas bitte. Auch dann gestehe ich mir und dem anderen indirekt ein: Ich brauche Hilfe und Unterstützung, weil ich es alleine nicht kann. Bitten und Danken helfen mir daher mehr zu erkennen, wer ich selbst bin und was ich selbst kann – oder auch nicht kann. Bitten und Danken machen das Leben so gesehen sehr realistisch.

Und ein daran anknüpfender Gedanke: Im Christentum wie auch in vielen anderen Religionen danken die Menschen Gott. Und ich frage mich, wird Gott dann auch sagen: „Nicht dafür!“ Wahrscheinlich, denn Gott hat es gar nicht nötig, dass sich die Menschen bei ihm bedanken, dafür ist er eben Gott, also Schöpfer und nicht Geschöpf. Und weiter gefragt: Wofür sollte ich als Geschöpf ihm, dem Schöpfer, danken? Denn – wie schon gesagt – das Leben ist seinem Wesen nach unideal. Da gibt es eben viel zu beklagen – und nicht nur die von Menschen gemachten Probleme wie Krieg und Zerstörung. Was ist mit dem Leiden unter Naturkatastrophen, Krankheiten und Behinderungen? Und wenn ich da Gott um etwas bitte, dann gilt wohl auch hier: Diese Bitte hilft mir, mich selbst zu erkennen.

Das Thema ist uralt und wird selbst schon im Alten Testament bedacht. Da ist der gottesfürchtige Mann Hiob. Der ist sehr wohlhabend, und es geht ihm gut. Doch dann wird ihm plötzlich alles genommen und seine Frau schlägt ihm sogar vor, mit Gott deswegen zu hadern. Aber Hiob tut das nicht. Er bittet auch nicht und dankt auch nicht, sondern sagt nur – und das finde ich sehr weise und realistisch (Hiob 2,10): „Nehmen wir das Gute an von Gott, sollen wir dann nicht auch das Böse annehmen?“ Was für ein Satz.

Einen guten Tag wünscht Ihnen Pater Philipp Reichling aus Duisburg



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